Quo Vadis Britannia?

Während wir laufend mit Krisenbotschaften zum Thema BREXIT bombardiert werden, hier eine erfreuliche Nachricht aus dem Land, das uns den Rücken zukehren will.

 

    In keinem Land der Welt regt sich derzeit so viel Widerstand gegen die offiziellen Ernährungsempfehlungen bei Diabetes Typ-2, wie in Großbritannien.

 

Besonders viel wird auf der Insel über dieses Thema geforscht, diskutiert und gestritten. Auch wenn unabhängigen Studien immer aufs Neue zeigen, dass eine kohlenhydratarme Ernährung bessere Werte erzielt als eine fettarme, wollen die offiziellen staatlichen Behörden nicht umschwenken. An der Spitze der rebellischen Bewegung steht die Public Health Collaboration, mit Ärzten, wie Dr. Aseem Malhotra oder Dr. Rangan Chatterjee, die regelmäßig in den Medien zu Wort kommen.  https://phcuk.org/

Warum gerade auf der Insel und nicht bei uns?

Auf diese Frage kommen sicher mehrere Antworten in Betracht. Z.B. Die Sprache der wissenschaftlichen Studien ist Englisch, was einem englischen Arzt oder interessierten Laien leichteren Zugang bietet. Eines der angesehensten Wissenschaftsjournale, das BMJ (British Medical Journal) erscheint in London und stellt immer wieder die Wissenschaftlichkeit offiziellen Ernährungsempfehlungen in Frage. Siehe Blogartikel.

 

Das Gesundheitssystem in Großbritannien ist anders aufgebaut als in den deutschsprachigen Ländern. Wenn man mit Bürgern aus dem UK spricht kommt immer die Klage, dass die medizinische Betreuung bei ihnen sehr schlecht ist. Man beneidet uns wegen der freien Arztwahl, der guten stationären Versorgung und der durchgehenden ärztlichen Verfügbarkeit. Engländer, die in Österreich ihren Urlaub verbringen, kommen geradezu ins Schwärmen, wenn sie einmal einen Arzt brauchen. Das staatliche Gesundheitssystem verwöhnt seine Bürger nicht wie bei uns, es wird an allen Ecken und Enden gespart und relativ mehr in Vorsorgemaßnahmen investiert, als in Behandlung für jedermann. Der Zugang ins medizinische System wird durch lange Wartezeiten kanalisiert, erst wer im System ankommt, kann sich glücklich schätzen. Viele Menschen haben das Gefühl, mit ihren chronischen Beschwerden zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen.

 

Das führt dazu, dass Menschen deutlich stärker auf eigenes Wissen und Erfahrungen angewiesen sind. Das Internet übernimmt immer mehr die Rolle der medizinischen Information und ersetzt, bzw. ergänzt den Arzt. Die größere Distanz zum Gesundheitssystem zwingt die Menschen über alternative Behandlungsmethoden zu diskutieren und zu recherchieren. Das ist der ideale Nährboden für verrückte Heilslehren genauso wie in unserem Fall für die Infragestellung von Ernährungsempfehlungen.

 

Die Ärzte im UK sind zumeist Angestellte und verfügen über einen sicheren Arbeitsplatz mit geregelten Arbeitszeiten und Einkommen. Sie arbeiten zumeist in Gemeinschaftspraxen und nicht wie bei uns als auf sich allein gestellte Einzelunternehmer. Auf der Insel sind insgesamt die beruflichen Hierarchien flacher, was auch im Gesundheitswesen auffällt.

 

Die  Gesundheitspolitik steht stärker als anderswo unter rigidem Einsparungsdruck. Wohltätigkeitsorganisationen, die von Freiwilligen und Spenden getragen werden, übernehmen wesentliche Teile der Betreuung Kranker und sind nicht mehr wegzudenken. Bei steigendem Leidensdruck und explodierenden Kosten entsteht eher Bereitschaft, neue Herangehensweisen ins Auge zu fassen.

 

Ärzte können den Freiraum nützen, der durch diese Zwangslage entsteht. Bei gebotener Sorgfalt und dem Nachweis auf dem Stand der Wissenschaft zu behandeln, kann der Arzt seinen Handlungsspielraum erweitern ohne seine Berufslaufbahn zu gefährden. Ärzte, die sich den neuen Ernährungsrichtlinien verschreiben, sparen dem Staat noch dazu viel Geld.

Vielleicht liegt es an der erzwungenen größeren Eigenverantwortung der Menschen im Vereinigten Königreich, sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten, dass alte überholte Ideen hinterfragt und durch neue besser funktionierende leichter ersetzt werden können. Oder ist es einfach nur so, dass Übergewicht und Diabetes ein Ausmaß erreicht hat, mit dem niemand mehr zurande kommt und sich die Gegenmaßnahmen verselbständigen?

„Kann Low-Carb Diabetes besiegen? Nach den üblichen Ratschläge für Typ-2 kann man alles essen. Eine wachsende Zahl von Patienten und Ärzten planen den Aufstand“

So die Headline der Internetausgabe der Tageszeitung Daily Mail vom 25. April 2017. http://www.dailymail.co.uk/health/article-4441526/Could-going-low-carb-help-fight-diabetes.html

Daily Mail ist nach THE SUN die zweitgrößte britische Tageszeitung mit einer Auflage von etwas über 2 Millionen Exemplaren.

Übersetzte Zitate von Dr. Clare Bailey, Gattin von TV Doktor Michael Mosley („Erfinder“ der 5:2 Diät) und Ärztin in Buckinghamshire:

 

„Die Low-Carb Ernährung hat zweifellos Vorteile für Patienten mit Diabetes Typ-2. Wenn Low-Carb eine Medikament wäre und man damit Geld verdienen könnte, hätten die Konzerne schon längst Studien im Laufen um die Lizenzen zu patentieren.“

 

Wie kam sie zu dieser Auffassung?

 

„Ich habe zum ersten Mal von der Low-Carb Theorie gehört, als Michael ein TV Programm über die 5:2 Diät gemacht hat. Es war das Gegenteil von allem was ich bisher über Diabetes gehört habe, was mich zunächst skeptisch machte“.

 

Als aber ein Bekannter diese Ernährung ausprobierte, wurde sie eines Besseren belehrt. Heute ist sie eine von mehr als 150 Ärzten auf einer Facebook Gruppe, in der Fachleute Daten und Tipps über Erfahrungen mit Low-Carb Kost austauschen.

 

„Die offizielle Situation ist eigenartig“, sagt sie. „Wir geben ein Vermögen für Medikamente aus um den Patienten zu ermöglichen, Zucker zu essen, anstatt Wege zu finden, Diabetes zu heilen“.

 

Nach der nationalen Gesundheitsbehörde (NHS) werden für die Behandlung von Diabetes jährlich 24 Milliarden €uro ausgegeben. Der allergrößte Teil, 80 % oder ca. 20 Milliarden €uro, geht für die Behandlung von Komplikationen auf. (Aussagen von Diabetes UK, http://www.diabetes.co.uk/.)

 

Was liegt also näher, als diese Epidemie durch eine bessere Ernährung in den Griff zu bekommen und Kosten zu senken?

 

Der Daily Mail Artikel führt zahlreiche kleinere und größere Studien ins Treffen, in denen durch einfache Ernährungsintervention der Blutzuckerspiegel teilweise deutlich gesenkt werden konnte.

TU FELIX BRITANNIA !

Glückliches Großbritannien, das in der Lage ist, mit anerkannten Ärzten und unabhängigen Medien die Diskussion am Laufen zu halten. Der Druck wird steigen, da die Kosten für Übergewicht und Behandlung der Folgekrankheiten, wie Diabetes und Herzkrankheiten, die Gesellschaft zwingen wird, erprobte, bessere und auch billigere Methoden anzuwenden. Einstweilen verlieren immer mehr Ärzte ihre Geduld und informieren über soziale Medien, vorbei an den staatlichen Gesundheitsbehörden. Der Artikel im Daily Mail ist nur ein Beispiel der zunehmenden Unzufriedenheit mit dem staatlichen Gesundheitssystem und ein Teil eines laufenden Paradigmenwechsels.

Lateinlexikon:

Quo Vadis Britannia: Wohin gehst du Britannien?

Tu felix Britannia: Du glückliches Britannien

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