Hast DU vielleicht Krebs?

Zufällig ist mir eine Studie in die Hände gefallen, in der Übergewicht und Diabetes mit der Häufigkeit von Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht werden.

Ein sehr guter Freund, der mir viel bedeutet, hat soeben seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Ich war noch nicht lange mit kohlenhydratarmer Ernährung unterwegs, als ich versuchte, ihm die Vorteile dieser Kost zu erklären. Er ist leidenschaftlicher Koch und ich dachte, seine Blutzuckerkurve könnte bei besserer Auswahl der Nahrungsmittel einen ruhigeren Verlauf nehmen. Ich habe noch im Ohr, wie ihn seine Frau beim Kochen ermahnte, er möge doch auf den Zucker aufpassen und nicht zu fett essen. Meine Begeisterung über Low Carb High Fat war ihm nicht recht geheuer. Er verlor die Geduld, hatte genug von diesen neumodischen Rastschlägen zu Thema Übergewicht und wehrte sich mit einer Gegenfrage: „hast DU vielleicht Krebs?“ Nein, nein, ich bin nur um 10 Kilo leichter und fühle mich gesünder als je zuvor, war meine Antwort. Ich gab meine Versuche auf, als ich zu hören bekam: „ich weiß ohnehin alles über Ernährung“.

          Das war vor ca. 8 Jahren. Heute denke ich über unser damaliges Gespräch nach. Hätte ich lästiger sein sollen? Wie viel missionarischen Eifer verträgt eine Freundschaft? Warum habe ich aufgegeben und das Thema in Gesprächen vermieden? Heute, im 10. Jahr meiner Gesundheitsreise durch LCHF bin ich bescheidener. Viele meiner Freude wissen wie ich esse, dass ich blogge, und was ich über Ernährung und die dazugehörige Wissenschaft denke. Mir ist es egal ob sie mich für fanatisch, missionarisch, besserwisserisch oder sonst noch was halten. Die Rolle eines Außenseiters gefällt mir sogar, denn irgendwie war ich das schon immer in meinem Leben.

 

Umso mehr Freude macht es mir, wenn Menschen auf mich zukommen und sagen: „Lieber Robert, deine Ernährung funktioniert ja tatsächlich! Ich habe nie gedacht, dass man ohne Brot leben kann! Ich nehme ab, habe dabei keinen Hunger und muss nicht mehr andauernd naschen! Auch meine Lebensenergie ist wie neu geboren!“ Besonders erfreut war ich, als soeben eine Dame anrief, die auf meinen Rat das Buch ECHT FETT von Andreas Eenfeldt gelesen hat und ihr Glück und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck brachte. Das gibt mir Kraft zum Weiterschreiben, Aufklären, Informieren und wenn ich merke, dass der Gesprächspartner offen ist und selber Fragen stellt, mit Literatur und Hilfestellungen nachzuhaken. Nicht jedem gelingt alles im ersten Anlauf. Die Wege zur Gesundheit sind verschlungen und Widerstände sind vorprogrammiert. Oft braucht es einen deutlichen Einschnitt ins Leben, wie z.B. eine Erkrankung. Dies ist selbstverständlich niemandem zu wünschen. Aber solange im Gesundheitssystem Ernährungsfragen ohne wissenschaftlichen Hintergrund verbreitet werden und die Industrie bestimmt, was gesund zu sein hat, wird es noch viele Bruchlandungen geben, bei Einzelschicksalen und Epidemien wie Übergewicht, Diabetes, Herzkrankheiten und wie sich immer deutlicher herausstellt auch bei Krebs.

Ist Krebs eine Stoffwechselkrankheit?

Auch Wissenschaftler und Ärzte können nicht mehr verschweigen, dass eine Krebserkrankung möglicherweise auf falsche Ernährung zurückzuführen ist. In der Tageszeitung DerStandard erklärt die Direktorin der Abteilung für Diabetologie und Endokrinologie an den DKD-Helios-Kliniken in Wiesbaden, Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, den Zusammenhang:

"Körpergewicht und Stoffwechsel wirken sich aber nicht nur auf die Entstehung von Krebs aus.  Auch der Verlauf der Erkrankung und die Überlebenschancen stehen in einem starken Zusammenhang mit dem Body-Mass-Index.“

Laut Expertin hätten etwa Tumorkranke mit sehr starkem Übergewicht (BMI über 40) ein um 50 bis 60 Prozent höheres Risiko an ihrer Krebserkrankung zu sterben als normalgewichtige Patienten.

 Auch die Ursachen von Übergewicht liegen nach Ansicht der Klinikchefin in hormoneller Fehlsteuerung durch exzessive Insulinausschüttung:

„Sowohl Übergewichtige als auch Typ-2-Diabetiker produzieren häufig große Mengen von Insulin, das den Blutzuckerspiegel niedrig halten soll. Zugleich lässt jedoch die Wirkung des Insulins nach, sodass der Blutzuckerspiegel dennoch hoch bleibt und die Insulinproduktion weiter ankurbelt. Es ist bekannt, dass permanent hohe Insulinspiegel im ganzen Körper Rezeptoren aktivieren, die das Tumorwachstum fördern".

Nennen wir die Sache beim Namen: Insulinresistenz als Folge ständig hoher Insulinausschüttung, steht in dringendem Verdacht, am Entstehen einer Tumorerkrankung beteiligt zu sein. Heute weiß man, wie Insulinresistenz zu behandeln ist: Verzicht auf Kohlenhydrate, Einnahme von natürlichem Fett, Vitamin-D Supplementierung, Intervallfasten und Bewegung. Siehe Blogartikel.

 

Am genauen ursächlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wird intensiv geforscht. Alles was Insulinresistenz bekämpft, stärkt das Immunsystem, kann vor Krebs schützen bzw. die Körperkräfte bei der Krebstherapie unterstützen.

Vielen Dank an die im DerStandard zitierte Frau Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, die mich auf folgende Studie hingewiesen hat.

Diabetes und Krebs: ein Review des aktuellen Wissens

Abstract

 

Diabetes Mellitus (DM), eine der am häufigsten lebensbedrohenden Krankheiten weltweit, gehört zu den metabolischen Krankheiten, charakterisiert durch anhaltende Hyperglykämie (hohe Blutzuckerspiegel). Die globale Verbreitung von  Diabetes Mellitus unter Erwachsenen erreichte 2014 die Zahl von 387 Millionen Menschen und ist weiter im Steigen.

 

Es wird angenommen, dass eine starke Verbindung zwischen Diabetes Mellitus (insbesondere Diabetes Typ-2) und Karzinogene (Tumorentwicklung) besteht. Die möglichen biologischen Verbindungen zwischen Diabetes Mellitus und Krebs umfassen hohes Insulin (Hyperinsulinämie), hohe Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) und fettinduzierte chronische Entzündungen.

 

Obwohl die stärksten Verbindungen auf Bauchspeicheldrüse und Leber hinweisen, sind bei Diabetespatienten viele andere Organe in die Tumorentstehung verwickelt, einschließlich der Brust, der Gebärmutter, der Harnblase und der Niere. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Krebs und Anti-Diabetes Medikamenten gibt.

 

Es konnte beobachtet werden, dass einige Medikamente das Risiko für Tumorentwicklung senken, andere wiederum dieses Risiko erhöhen. Die Mehrzahl der Studien betrifft Metformin, ein Medikament der Wahl bei Diabetes Typ-2, und seiner gegen bösartige Tumore wirkenden (anti-neoplastischen) und Tumor unterdrückenden Aktivität.

 

Die positive Wirkung von Metformin wurde in zahlreichen Forschungsarbeiten über Tumore in Brust, Bauchspeicheldrüse, Leber, Darm, Eierstöcken und Prostata gefunden. Da eine Reihe von Studien von der Annahme ausgeht, dass Diabetes Mellitus und Krebs häufig nebeneinander bestehende Krankheiten sind, versuchen aktuelle Studien den Einfluss von Diabetes Mellitus und anti-diabetischen Medikamenten auf die Tumorbildung in verschiedenen Organen zu erklären.

 

Wir präsentieren mit dieser Übersichtsarbeit die neuesten Studien und erforschen die Verbindung zwischen sowohl Diabetes Mellitus als auch antidiabetischen Medikamenten und dem Auftreten und der Prognose von Krebs.  Besonders gehen wir dem Problem des begleitenden Auftretens von Krebs im Kopf- und Nackenbereich bei Diabetikern nach, was bisher selten analysiert und in Studien oft vernachlässigt wurde.

 

Originaltitel: Diabetes and Cancer: a Review of Current Knowledge.

Erschienen in: Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2016 May;124(5):263-75. doi: 10.1055/s-0042-100910. Epub 2016 May 24.

Universität Wroclaw (Breslau in Polen), unter der Leitung von Wojciechowska J1, Krajewski W2, Bolanowski M3, Kręcicki T1, Zatoński T1.

 

Dieses Abstract wurde von Robert Schönauer ins Deutsche übersetzt.

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