Norwegische Studie: besser abnehmen mit Butter, Sahne und Fett

Das Ernährungsverhalten ändert sich nur langsam 

Studenten an der Medizinischen Universität in Bergen, Norwegen, haben im Rahmen ihrer Ausbildung eine Studie vorgelegt, die sogar im renommierten  Wissenschaftsjournal „The American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurde. Dass es Studenten sind, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit gemeinsam mit ihren Professoren an alten Mythen rütteln, stimmt hoffnungsvoll.

 

Eine neue gesündere Ernährung muss erst an den Universitäten erforscht, gelehrt und ausprobiert werden. Die Unis in den skandinavischen Ländern sind uns Mitteleuropäern um ein bis zwei Jahrzehnte voraus.

 

So auch vor 10 Jahren, als die Tochter der schwedischen Ärztin Dr. Annika Dahlqvist vom Medizinstudium nach Hause kam und berichtete, dass in einer Übung werden verschiedene Diäten ausprobiert werden. Sie selbst wurde einer kohlenhydratarmen Gruppe zugelost. Die Mutter der Studentin, die Ärztin Annika Dahlqvist, schloss sich an und stellte wundersame gesundheitliche Verbesserungen fest. Ähnliches geschah an mehreren Ecken und Enden des Landes, wodurch ein neuer Name für diese Art zu essen gesucht wurde: Low-Carb, High-Fat (LCHF) war geboren und erobert gerade die Welt.

 

Studie: fettreiche Ernährung verbesserte Gewicht und Krankheitsrisiko!

 Presseaussendung der Universität Bergen

 

Audun Hageskal in Divergent am 2. Dezember 2016

 Übersetzung aus dem Norwegischen von Robert Schönauer

 

Eine Kampfansage gegen die hartnäckige Idee vom ungesunden gesättigten Fett

Eine aktuelle Studie an der Universität Bergen, Norwegen, zeigt, dass gesättigte Fettsäuren das Risiko von Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht erhöhen. Stattdessen wurde mit gesättigtem Fett ein starker Gewichtsverlust erreicht.

 

Diese Studie fand Eingang in das renommierte Wissenschaftsjournal „The American Journal of Clinical Nutrition“ ( November 30, 2016 10.3945/ajcn.115.123463 Am J Clin Nutrajcn123463).

 

Dazu die Studienleiterin Prof. Dr. Vivian Veum:

 

„Die Studie wirft kritische Fragen über die zentralste Diät Hypothese auf, die mehr als 50 Jahre unser Essverhalten verunsichert hat“.

Am Zentrum für Diabetesforschung an der  Universität Bergen in Norwegen, haben Forscher 38 Männer mit abdominaler Fettleibigkeit drei Monate lang im Rahmen der Diät-Studie FATFUNC begleitet.
In dieser Zeit wurde den Teilnehmer eine Diät aus weitgehend frischen Zutaten mit sehr unterschiedlichen Anteil an Kohlenhydraten oder Fetten verabreicht, wobei etwa die Hälfte des Fetts aus gesättigtem Fett bestand.

 

In der Untersuchung traten beeindruckenden Ergebnisse zu Tage, die darauf hinwiesen, dass zwischen den Gruppen sehr geringe Unterschiede über die Auswirkungen des Fetts bestehen. Ein Ergebnis, das den Mythos zu zerstreuen hilft, dass gesättigtes Fett für die Gesundheit gefährlich ist.

In drei Monaten 12 Kilogramm weniger

„Es ist selbstverständlich, dass man ohne Kalorienzufuhr Gewicht verliert. In unserer Studie kam es weniger auf die Anzahl der Kalorien an, als auf die Qualität des Essens. Im Durchschnitt verloren die Teilnehmer 12 kg, etliche Mitglieder lagen aber weit darüber. Die individuellen Unterschiede ergaben sich daraus, wie ungesund sie vor der Studie aßen und wie der Stoffwechsel davon bereits beeinflusst war“, sagt Vivian Veum.

Eine fettbasierten Diät wirkt mit Verzögerung: viele Menschen geben zu früh auf

Vor, während und nach der Diät wurde das Körperfett der 38 Teilnehmer gemessen. Die Ergebnisse geben guten Grund zu einem kritischen Blick auf die Hypothese, dass ein hoher Anteil gesättigter Fettsäuren für den Körper schlecht wäre.


Trotz der starken Gewichtsreduzierung blieb die Muskelmasse in einem weit größeren Ausmaß erhalten, als bei herkömmlichen Diäten mit reduzierter Kalorienzufuhr. Die Verbesserung der Körperverfassung hat nach Dr. Veum große Bedeutung für die Gesundheit. Dass der Verlust von Muskelmasse so gering ausfiel, erklärt sie mit regelmäßigen Mahlzeiten und einer relativ hohen Kalorienzufuhr. Bei derartiger Gewichtsreduktion tritt häufig ein weit größerer Verlust an Muskelmasse zu Tage.

„Bauchfett, viszerale Fettdepots, Fett in Leber und Fettspeicher um das Herz, alle wurden reduziert, trotz der hohen Fettaufnahme der Hochfettgruppe. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass die Kurven für die Gewichtsabnahme zwischen den Gruppen etwas anders verlaufen. Es dauert ein wenig länger, bevor eine fettbasierte Diät wirklich die große Wirkung erzielt“, erklärt sie und fügt hinzu:

  „Butter wurde von Skeptikern als Lebensmittel lange verschmäht. Die Studie zeigt im Gegenteil, dass gesättigte Fettsäuren gut für die Gesundheit sind“.

 

 „Nach etwa sechs Wochen kam es in der Hochfettgruppe im Schnitt bei Fettmasse und bei Verbesserung der Blutfette zur größten Reduktion, während die Gruppe mit niedrigem Fettkonsum einen stetigen Anstieg zeigte. Diese Studie trifft eine gültige Aussage für  mindestens drei Monate und gilt nicht für einen längeren Zeitraum. Für diejenigen, die Gewicht ohne Kalorienrestriktion verlieren wollen, ist es wichtig sich in Geduld zu üben. Studien wie diese, die nur für kurze Zeit angelegt sind, liefern daher auch nicht unbedingt korrekte Ergebnisse“, sagt Veum.

50 verlorene  Jahre

Die Doktoranden selbst sind von den Ergebnissen nicht überrascht, gestehen aber, dass die Ergebnisse auf internationaler Ebene umstritten sind.

 „Dass gesättigte Fett gefährlich für den Körper ist und zu Übergewicht führt, ist die zentrale Ernährungshypothese, die mehr als 50 Jahren gewütet hat. Jetzt ist es Zeit, die kausalen Zusammenhänge genauer zu untersuchen und auf weiteren kritischen Fragen zu dieser Aussage zu bestehen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bevor der Mythos von gesättigten Fettsäuren geopfert wird. Es ist aber schwierig, über lange Zeit gut kontrollierte Diät-Studien an Menschen zu entwerfen. Es gibt noch andere Forschungsarbeiten, die unsere Ergebnisse unterstützen“, sagt Veum.

 

Kein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen

Zusätzlich zu Gewichtsverlust zeigt diese Studie, dass das Risiko von Herz-Kreislauf -Krankheit durch Fettaufnahme nicht erhöht wird. Auch hier zeigt sich, wie ein alter Mythos ausstirbt.

 

„Die hohe Aufnahme von Fett und gesättigte Fettsäuren erhöhen nicht das berechnete Risiko von Herz-Kreislauf –Erkrankungen“, wird Professor Ottar Nygård, Kardiologe auf der Website der Universität zitiert.

 

Ihm zufolge hatten Studienteilnehmer mit der Hochfettdiät im Gegentsatz zur weit verbreiteten Auffassung wesentliche Verbesserungen bei den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf -Krankheiten.

 

„Dies zeigt, dass die meisten gesunden Menschen wahrscheinlich eine hohe Aufnahme von gesättigten Fetten vertragen, solange die Qualität gut ist und die Kalorienaufnahme nicht zu hoch ist. Möglicherweise  sogar gesund ist“, sagt Nygård.

Wie lange noch?

Ernährungsstudien wie diese haben immer wieder die Ernährungsberatung des letzten halben Jahrhunderts in Frage gestellt! Von den 1950-er Jahren durch John Yudkin in „Pure White and Deadly“ bis in die Gegenwart durch Robert Lustig in „FAT CHANCE“, zieht sich ein Bogen des Widerstandes.

 

Leider ist der Spruch "gesättigte Fettsäuren sind gefährlich", während all dieser Jahre wie ein Mantra wiederholt worden, so dass klar zu sein hat, was Sache ist und Kritiker als "Nörgler" und "faktenresistent " abgestempelt werden. Trotz aller Studien, die gezeigt haben, dass natürliche gesättigte Fettsäuren der beste Treibstoff sind, der für unseren Körper in Frage kommt, halten die meisten Ernährungswissenschaftler und Ärzte immer noch an dieser Fettangst fest, einer absolut lächerlichen Idee. Und in der Zwischenzeit leiden gutgläubige Menschen Tag für Tag an der "fettarmen-" und damit kohlenhydratreichen Ernährung. Es ist beinahe unfassbar, dass dieses Thema so wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit findet.

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Kommentare: 1
  • #1

    Margret Ache (Montag, 16 Januar 2017 18:58)

    Wie schön ist das denn. Genau das schwarz auf weiß zu lesen, was schon so viele am eigenen Leib durch die LCHF-Ernährung erfahren durften. Super Artikel, vielen Dank dafür.