Kanadische Ärzte fordern: Korrektur der Ernährungsempfehlungen

In Kanada haben 200 Ärzte  eine Petition an die Regierung gerichtet, mit der Aufforderung, die Ernährungsempfehlungen zu ändern und sie mit einer Option auf kohlenhydratarme Ernährung zu ergänzen.  Zwei dieser 200 Ärzte sind den Lesern dieses Blogs bekannt: Dr. Jason Fung und Dr. Jay Wortman.

 

Die Ernährungsempfehlungen, gestützt auf Fettphobie und hohem Anteil an Kohlenhydraten, die jahrzehntelang angepriesen wurden, haben sich als riesiger Fehler erwiesen und hatten einen unaufhaltsamen Anstieg von Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten zur Folge. Es besteht dringender Bedarf einer Änderung.

Vereinzelter Widerstand in Österreich

Auch in Österreich regt sich da und dort Widerstand aus Kreisen von Universitätsgelehrten. In der Sendung Radiodoktor – Medizin und Gesundheit vom Montag 12. Dezember 2016 auf Ö1 äußert der Ernährungswissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Maximilian Ledochovsky sein Misstrauen gegenüber der herrschenden Ernährungsberatung.

 

Auf die Frage, wer kann eigentlich in Fragen der Ernährung noch kompetent beraten? Sagt Dr. Ledochovsky:

„Ein vernünftig ausgebildeter Diätologe oder Ernährungsberater, der sowohl im Bereich der Kommunikation als auch im Bereich der psychologischen Aspekte, die mit Ernährung, Lebensstil, Bewegung, usw. verbunden sind, wäre im Prinzip der richtige Ansprechpartner.

 

Jetzt sag ich was Problematisches: Ich halte die derzeitige Ausbildung von Ärzten und Pharmazeuten nicht für geeignet, um solche Ernährungsberatung durchzuführen".

 

http://oe1.orf.at/player/20161212/453714

 

Zu einem Aufstand der Ärzte wird diese Äußerung in unseren Breiten noch nicht führen. Die englisch-sprachige Welt ist uns um Jahre voraus. Dort organisieren sich Ärzte und fordern ganz konkrete Maßnahmen, wie Dr. Marika Sboros auf Foodmed.net. berichtet:

 

Ein Lob auf LOW-CARB: Kanadische Ärzte stellen ein Dogma in Frage!

Von Marika Sboros, erschienen auf Foodmed.net.

200 kanadische Ärzte sind über den dramatischen Anstieg an Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten entsetzt, insbesondere was die Situation von Jugendlichen betrifft.

 

Sie halten fest, dass die wissenschaftliche Evidenz die Verbreitung von herkömmlichen fettarmen Empfehlungen nicht bestätigt. In Wirklichkeit verschlimmern sich die Risikofaktoren für Herzkrankheiten. Die Ärzte fordern, dass die dafür Verantwortlichen bei der Erstellung von Ernährungsempfehlungen frei von Einfluss der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sein müssen. Sie setzen sich für Ernährungsempfehlungen auf kohlenhydratarmer Basis ein, als „eine sichere und wirksame Intervention“ für Menschen mit Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten.

 

Im Wesentlichen rufen die Unterzeichner des Briefes dazu auf, bei der medizinischen Beratung auf Reduzierung der Kohlenhydrate und Vermehrung von gesunden natürlichen Fetten zu achten. Hier folgt noch mehr von dieser deutlichen Kampfansage der Ärzte an die herrschende Orthodoxie.

Es ist eine derart gewagte Initiative, dass einige Unterzeichner für ihre Ansichten zu Low-Carb Hohn und Spott ernteten und bereits Angriffen von etablierten Institutionen  ausgesetzt waren. Es gibt heilsame Beispiele in anderen Ländern, wo Ärzte den Mut hatten, an diesem Dogma zu rütteln und sich gegen mächtige organisierte Interessen zur Wehr zu setzen. Die Anzahl dieser geht wahrscheinlich in der Menge unter.

Die Initiatoren des Briefes sind Universitätsprofessorinnen in Toronto, die Anästhesiologin Dr. Carol Loffelmann und die Pathologin Dr. Barbara Allen Bradshaw. Sie richten ihren Brief an Health Canada, an den nationalen Gesundheitsminister und alle Gesundheitsminister der Provinzen. Hier geht es zum offenen Brief.

 

 

https://www.change.org/p/fix-canada-s-dietary-guidelines-support-the-change-to-real-food

 

In diesem klopfen sie die stabilsten Säulen, auf denen die offiziellen Ernährungsrastschläge gebaut sind, ab. Eine Säule, die „Diet-Heart-Hypothesis“, sagt, dass gesättigtes Fett Herzkrankheiten verursacht. Eine andere, die „Kalorien rein – Kalorien raus“ (calories –in, calories-out, CICO) Theorie soll als Ursache für Übergewicht herhalten. Gemeint ist, Übergewicht sei das Ergebnis von Völlerei und Charakterschwäche.

Der Brief enthält einige Punkte für ein „Manifest des Wandels“, das von den Vorarbeiten der US Nutrition Coalition und der UK Public Health Collaboration beeinflusst wird. Unter anderem sollten die Ernährungsempfehlungen enthalten:

 

  • Eine klare Stellungnahme gegenüber der Öffentlichkeit und den Gesundheitsberufen, dass die Evidenz für fettarme Ernährung keine Bestätigung findet und die Risikofaktoren für Herzkrankheiten erhöhen kann.
  • Nehmt den Deckel vom gesättigten Fett und hört auf, die Menschen aufzufordern, gesättigtes Fett durch mehrfach ungesättigte pflanzliche Öle zu ersetzen um Herzkreislaufkrankheiten zu vermeiden.
  • Bevorzugung von „echten“ Lebensmitteln, wie zum Beispiel, komplette unverarbeitete Nahrungsmittel, einschließlich voll fetter Milchprodukte und rotem Fleisch.
  • Einfließen sollte die Kontroverse um das Salz und die Beendigung der Empfehlung „weniger ist besser“.
  • Keine Betonung auf körperliche Anstrengungen als Mittel zur Gewichtsabnahme. Mit anderen Worten, man sollte damit aufhören, den Menschen zu empfehlen, ihr Gewicht durch Herstellung eines kalorischen Defizits nachhaltig zu regeln.
  • Die Durchführung einer vollständigen und umfassenden Übersicht unter Anwendung der strengsten verfügbaren Studiendaten
  • Die Bewerbung einer kohlenhydratarmen Ernährung als eine sichere und wirkungsvolle Intervention für Menschen, die mit Gewicht, Diabetes und Herzkrankheiten kämpfen, und
  • eine Auflistung von „gut gesicherten Angeboten von Ernährungsformen (a true range of diets)“, welche die unterschiedlichen Bedürfnissen der Bevölkerung berücksichtigen.

Interessanterweise stellt der Brief Brasilien als gutes Beispiel vor. Dr. Loffelmann sagt, dass die brasilianischen Ernährungsempfehlungen „so nahe an der Perfektion sind, wie wir es für uns nur wünschen würden“.

 „Jede Ecke der Welt, jede Küche kann sich darauf einstellen“, führt sie dazu aus. „Es stellt das Lebensmittel und das Essen wieder in den Mittelpunkt der Empfehlungen und erfordert keine Nummern, Mengenbezeichnungen oder Rechenkünste.“

Wichtig ist auch das Eliminieren von verarbeiteten Lebensmitteln, sagt sie, denn nur das führt zu einem Essen „innerhalb deiner Toleranz für Kohlenhydrate“.

Loffelmann hofft, dass jedermann das Buch des kanadischen Arztes für Nephrologie Dr. Jason Fung: The Obesity Code, in die Hand bekommt. Ganz besonders wünscht sie sich, dass das Buch Pflichtlektüre für Medizinstudenten wird.

 

(Voraussichtlich im Jahr 2017 auf Deutsch)

 

Zusammen mit ihren Hoffnungen äußern Bradshaw und Loffelmann gar nicht so geheime Befürchtungen. In einem Worst-Case Scenario beschreibt sie, dass der Brief im Dunstkreis des medizinischen Establishments verschwinden könnte. Folglich wäre es für die im Gesundheitswesen Mächtigen einfach der Brief zu ignorieren und dadurch den Zeitpunkt von Veränderung zu blockieren, vielleicht lange genug um den Status quo zu erhalten.

 

Es besteht immerhin die Möglichkeit, dass die fettarmen und kohlenhydratreichen Ernährungsempfehlungen als dominantes Paradigma erhalten bleiben. Bradshaw befürchtet, dass dies zu gesteigertem Zuckerkonsum, und Verbrauch von hoch verarbeiten und raffinierten Lebensmitteln führen wird „und auch zu einer kränkeren Bevölkerung“.  Loffelmann ergänzt, viele Skeptiker wurden umgedreht. Immerhin stehen wir noch „vor einer großen Bürokratie, die vom alten falschen Paradigma beherrscht wird“.

 

Kognitive Dissonanz unter Ärzten bildet ein weiteres Hindernis. Dieser psychologische Begriff beschreibt extremes Unbehagen, das entsteht, wenn jemand überzeugende Beweise entdeckt, die einem tief verwurzelten Belief widersprechen. Oft hat das die Konsequenz, dass sich das Belief gegen die Beweise durchsetzt.

 

 

 

„Wir müssen es dieses Mal richtig angehen“, sagen Bradshaw und Loffelmann, „denn wenn es uns nicht gelingt, wird es noch mehr unnötiges Leid und Todesfälle verursachen“.

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0