Gesundheit kommt nicht aus der Medikamentenpackung Von Dr. Aseem Malhotra

Dr. Aseem Malhotra ist bekannt als einer der scharfsinnigsten Kardiologen auf der britischen Insel und ein weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Prävention, Diagnose und Behandlung von Herzkrankheiten. Er steht an der Spitze der Kampagne gegen den exzessiven Zuckerkonsum. Durch Veröffentlichungen in dem angesehenen Wissenschaftsjournal BMJ (British Medical Journal) und Überzeugungsarbeit in verschiedenen Mainstream Medien ist es dem mehrfach ausgezeichneten Kardiologen gelungen, dass führende Wissenschaftler, Medien und Politiker des Landes die Reduktion von Zucker als gesundheitliche Priorität anerkennen und aktiv dafür eintreten (siehe Zuckersteuer).

 

Dr. Aseem Malhotra

 

Vor nicht allzu langer Zeit begegnete ich einer Frau Anfang 60, die entsetzt war, da ihr der Hausarzt eröffnete, dass sie hohes Cholesterin hatte. „Gratuliere“ sagte ich zu ihr. „Das wird Ihnen wahrscheinlich helfen länger zu leben.“ Sie ging weg mit einem Lächeln auf den Lippen.

Es ist kein Wunder, dass sie Angst bekam. Seit Jahrzehnten haben unsere Institutionen empfohlen „fettarm“ zu essen, was gleichzeitig zur Folge hatte, dass der Konsum von Zucker und verarbeiteten Kohlenhydraten in die Höhe schoss. Das Ergebnis war eine Epidemie der Zwillinge Diabetes Typ-2 und Fettleibigkeit – und dazu eine gesalzene medizinische Rechnung. Es ist höchste Zeit für eine Überarbeitung dieser Ratschläge.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem s.g. "schlechten" Cholesterin und Herzkreislauf-Krankheiten bei Menschen über 60.

Faktum ist, wenn man die Ursachen aller Todesfälle in Betracht zieht, dass der Trend eher zu einer Abnahme von Todesfällen geht, je höher das Cholesterin ist. Das kann mit der Rolle des Cholesterin im Immunsystem erklärt werden, das einen Schutz gegen mögliche tödliche Infektionen im Magen- und Darmtrakt einschließlich der Atemwege und potentiell sogar gegen Krebs bildet.

 

Es besteht zwar im Verlauf einer Herzkreislaufkrankheit ein Risiko für erhöhtes Cholesterin, das offizielle Festhalten an einer Senkung durch Ernährung oder Medikamente als Selbstzweck ist aber völlig fehl am Platz. Wie Dr. John Abramson von der Havard School of Public Health hervorhebt, ist Cholesterin eines der wichtigsten Moleküle „und zu glauben, man könne es dem Körper ohne Konsequenzen drastisch entziehen, ist lächerlich.  Das ist unglaublich schlechte Wissenschaft.“

 

Sogar der amerikanische Forscher Ancel Keys, der Architekt jener Originalstudie, die den Konsum von gesättigtem Fett als Hauptursache von Herzkrankheiten bezeichnete, änderte seine Ansicht. Drei Jahrzehnte nach seiner Studie stellte er klar: „Ich habe erkannt, dass das Cholesterin nicht von der Bedeutung ist, wie wir zunächst dachten.“ Aber die Ernährungsempfehlungen gibt es noch immer, die auf Grund seiner Forschung entstanden, mit einre Medikamenten-Industrie, die über Millionen Dollar verfügt und auf Cholesterin-Senkung abzielt.

 

In Wahrheit bildet Insulinresistenz das größte Risiko für Herzkrankheiten junger Männer!

In Wahrheit bildet Insulinresistenz das größte Risiko für Herzkrankheiten bei jungen Männern. Sie ist beteiligt an der Entstehung von hohem Blutdruck und ist auch ein Vorbote von Diabetes Typ-2. Warum haben die meisten Menschen davon keine Ahnung? Vielleicht, weil die Lösung des Problems einfach, billig und wirkungsvoll ist.

 

Erst letzte Woche traf ich eine Frau Ende 60, die vor 25 Jahren die Diagnose Diabetes Typ-2 erhalten hatte. Seit 17 Jahren erhielt sie Insulin Injektionen. Erst kürzlich, nachdem sie gelesen hatte, dass Diabetes Typ-2 eine Folge von Kohlenhydrat-Intoleranz ist, änderte sie ihre Ernährung. „Was haben Sie zu essen aufgehört?“ fragte ich sie. „Brot, Reis und Zucker“ antwortete sie mit einem strahlenden Lächeln. „Und jetzt kann ich wieder Butter und Käse genießen“. Sie kann ihre 80 Einheiten Insulin vergessen.

 

Seit Jahrzehnten verläuft die Diabetesbehandlung verkehrt

Man nahm an, Diabetes handle sich um eine chronische unheilbare Krankheit. Als solche wird sie mit Medikamenten behandelt, die zig Millionen verschlingen und die die Komplikationen von Nierenproblemen, Augen- und Nervenkrankheiten nur marginal verringern, aber nicht den geringsten Einfluss auf Herzattacken, Schlaganfälle oder auf den Tod überhaupt,  haben. Außerdem tragen Nebenwirkungen dieser Medikamente zu vielen hunderttausenden Notaufnahmen  pro Jahr allein in US Spitälern bei.

Wie viele Menschen erhalten genau diese Informationen? Zu wenige. Im Gegenteil, wie das BMJ im Jahr 2013 hervorhebt, der Geschäftsplan der Pharmaindustrie für Diabetes besteht im „Anwerben von zahmen Diabetologen und Massieren mit Cash“.

Wenn Ärzte gesundheitliche Entscheidungen treffen müssen, die auf manipulierten Informationen basieren, korrumpiert durch kommerzielle Einflüsse, können wir nicht den Anspruch erheben, Medizinwissenschaft auf ethische Weise umzusetzen. Als ich in einem Artikel darauf aufmerksam machte, dass es falsch ist, den Patienten nicht zu sagen, dass das Einsetzen eines s.g. Herz-Stent bei einer stabilen Angina Pektoris nicht vor Herzattacken schützt und das Leben verlängert, erhielt ich ein zustimmendes Mail von einem Kollegen. „Viele Kardiologen würden dir privat zustimmen, finden aber gleichzeitig deine Aussage in der Öffentlichkeit unbequem“, schrieb er. „Es gibt eine ganze Industrie von Menschen, deren Existenzgrundlage von einer Kardiologie abhängt, die solche Behandlungen durchführt.“

„Je größer die finanziellen Interessen in einem bestimmten Bereich, desto geringer ist der Wahrheitsgehalt dieser Forschungsergebnisse.“ Prof. Dr. John Ioannidis.

Wahrscheinlich brachte John Ioannidis, Professor für Medizin und öffentliche Gesundheit an der Stanford Universität, die ernüchternde Bilanz über medizinische Forschung am treffendsten zum Ausdruck. Vor 10 Jahren kam er in einem Artikel zum Schluss, dass die meisten veröffentlichten medizinischen Forschungsarbeiten höchst wahrscheinlich falsch sind. „Je größer die finanziellen Interessen in einem bestimmten Bereich“, vermerkte er, „desto geringer ist der Wahrheitsgehalt dieser Forschungsergebnisse.“

 

Es war auch Ioannidis, der in einer getrennten Analyse körperliche Aktivitäten mit der Einnahme von Medikamenten verglich, bei der Behandlung von Herzkrankheiten, Rehabilitation nach Schlaganfällen, Behandlung von Herzversagen und Vorbeugung von Diabetes Typ-2. Der Nutzen war in beiden Fällen gleich groß.

The Big Fat Fix : The future of healthcare is lifestyle medicine!

In einer Dokumentation mit mir als Co-Produzent (The Big Fat Fix) erforschen wir, warum in dem kleinen italienischen Dorf Pioppi, die durchschnittliche Lebenszeit nahe 90 Jahren liegt. Eine Kombination von gutem Essen mit der richtigen Art von Bewegung und Reduktion von Stress ist nicht nur eine wirksame Behandlung von chronischen Krankheiten; sie kann auch den Alterungsprozess verlangsamen.

 

Es ist an der Zeit, diese Lebensstilmedizin in unser Gesundheitssystem zu integrieren. Nicht nur, weil sie billiger ist, sie ist auch ohne Nebenwirkungen. Gute Gesundheit kommt nicht aus der Medikamentenschachtel.

 

Wie der Transplantationschirurg Christian Barnard sagt: „Ich habe 150 Menschenleben durch Herztransplantationen gerettet. Hätte ich früher begonnen auf präventive Medizin zu setzen, hätte ich 150 Millionen retten können.“

Dieser Artikel wurde von Dr. Aseem Malhotra für echt-fett.at. zur Verfügung gestellt. Übersetzung aus dem Englischen von Robert Schönauer

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Ins selbe Horn bläst der finnische Arzt Teppo Järvinen, der in der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD vom 23.8.2016 mit derSchlagzeile: "Unsere Medizin ist ein Witz" zitiert wird.

http://derstandard.at/2000043197153/Unsere-Medizin-ist-ein-Witz

 

Quellen zum Artikel:

http://www.telegraph.co.uk/news/2016/05/22/eat-fat-to-get-thin-30-years-of-flawed-dietary-advice-is-disastr/

http://www.functionalmedicineuniversity.com/CholesterolDrugWar-Part2.pdf

http://www.com/1987/07/14/science/cholesterol-debate-flares-over-wisdom-in-widespread-reductions.html?pagewanted=all

https://healthimpactnews.com/2014/time-magazine-we-were-wrong-about-saturated-fats/

http://www.reuters.com/article/us-er-visits-for-low-blood-idUSBREA291JY20140310

http://www.bmj.com/content/346/bmj.f3680/rr/652372

http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.0020124

http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.0020124

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