Wieder ein Beweis: Fett macht nicht dick!

Das Abgehen von jahrzehntelangen Traditionen braucht Zeit. Viele Menschen sind verstört und wollen es noch nicht glauben.

Die "PREDIMED Studie" müsste die Gesundheitsbehörden eigentlich aufrütteln. Zahlreiche internationale Fachpublikationen stellen die Fettphobie mehr und mehr in Frage. Eine heftige Debatte ist auch unter Ärzten entbrannt.

Hier lesen Sie mehr über die PREDIMED Studie, die in Fachkreisen aufsehen erregt und  Ärzte zu Stellungnahmen zwingt.

Mediterrane Kost mit viel Fett macht nicht dick!

 „PREDIMED“ ist eine hochwertige Studie aus Spanien, mit einer Laufzeit von 8 Jahren, an der 7.447 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 80 Jahren teilnahmen, die nach dem Zufallsprinzip auf drei Gruppen verteilt wurden. Sicherlich „nur“ eine Beobachtungsstudie ohne kausalen Zusammenhang. Aber sehr aufschlussreich, da nach allen Regeln der Kunst mit großer Sorgfalt erstellt.

Das Studiendesign

7.447 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 80 Jahren wurden randomisiert (per Zufall) auf 3 Gruppen verteilt:
1. Mediterrane Kost mit viel Olivenöl (1 Liter pro Woche für die ganze Familie), ohne Einschränkung der Kalorienzufuhr.
2. Mediterrane Kost mit vielen Nüssen (30 Gramm Walnüsse, Mandeln und Haselnüsse pro Tag und Studienteilnehmer), ohne Einschränkung der Kalorienzufuhr.
3. Kontrollgruppe, die die Empfehlung erhielt, die Fettzufuhr über die Nahrung zu reduzieren.

 

Alle Teilnehmer erhielten außerdem eine individuelle Ernährungsberatung. Die Adhärenz sei gut gewesen, berichten die Autoren. Überwacht wurde sie mithilfe von Fragebögen, die alle Teilnehmer ausfüllten, und von Blut- und Urinuntersuchungen in einer zufällig ausgewählten Subgruppe. Alle Teilnehmer wiesen ein hohes kardiovaskuläres Risiko auf oder hatten Typ-2-Diabetes, mehr als 90% von ihnen waren adipös oder übergewichtig.

Nach 5 Jahren hatte die Gesamtfettzufuhr in der Kontrollgruppe von 40% auf 37,4% abgenommen. In den beiden Mittelmeerkost-Gruppen hatte sie leicht zugenommen: von 40% auf 41,8% in der Olivenöl-Gruppe und von 40,4% auf 42,2% in der Nuss-Gruppe. Die prozentuale Energieaufnahme über Proteine und Kohlenhydrate hatte in beiden Mittelmeerkost-Gruppen abgenommen.

Weniger Fett und weniger Kalorien schnitten am schlechtesten ab!

 Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer in allen 3 Gruppen etwas ab, wobei die größte Gewichtsreduktion mit Mittelmeerkost und Olivenöl erzielt wurde (-0,88 kg versus -0,60 kg in der Kontrollgruppe und -0,40 kg in der Nuss-Gruppe).

In allen 3 Gruppen nahm der Taillenumfang zu, am stärksten jedoch mit der fettarmen Ernährung: Die Teilnehmer der fettarmen Kontrollgruppe hatten nach 5 Jahren im Schnitt 1,2 cm mehr Taillenumfang, in der Olivenöl-Gruppe waren es 0,85 cm und in der Nuss-Gruppe 0,37 cm.

Dazu Dr. Darius Mozaffarian, Professor für Epidemiologie an der Harvard School of Public Health:

„Daraus kann man mit Recht schließen, dass es an der Zeit ist, unsere Angst vor Fett endlich abzulegen. Der Fettgehalt von Lebensmitteln und Ernährungsweisen ist einfach keine sinnvolle Maßeinheit“.

 

„Ebenso wie der Fokus auf das Gesamtfett zur Prävention von Herzerkrankungen fehlgeleitet war, da dies die unterschiedlichen Effekte von spezifischen Fettsäuren nicht berücksichtigte, ignoriert die Priorisierung der Gesamtkalorien (und infolgedessen des Gesamtfetts) die unterschiedlichen physiologischen Effekte verschiedener Nahrungsmittel.“

„Die Ernährungsleitlinien sollten überarbeitet werden, um endlich die überholten und willkürlich festgelegten Begrenzungen des Gesamtfettkonsums zu Grabe zu tragen.“

 

„Auch die kalorienbesessenen Warnungen vor gesunden, fettreichen Lebensmitteln wie Nüssen, phenolsäurereichen pflanzlichen Ölen, Joghurt und vielleicht sogar Käse sollten fallen gelassen werden. Wir müssen uns von dem Mythos lösen, dass weniger Fett und weniger Kalorien weniger Gewichtszunahme bedeutet.“

 

Noch deutlicher wird

Dr. Johannes Scholl, der Präsident der Deutschen Akademie für Präventivmedizin:

 

„Die meisten Fachgesellschaften, auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), wollen von all dem nichts wissen. Sie verhalten sich, als gebe es PREDIMED gar nicht. Sie predigen weiter, wie schon seit Jahrzehnten, den Fettverzicht zur Vermeidung von Übergewicht und Krankheiten“.

 

Auch Dr. Scholl fordert dringend eine Überarbeitung der Ernährungsempfehlungen:

 

 „In Deutschland leben geschätzt 20 Millionen Menschen, die auf einen Typ-2-Diabetes zusteuern. Sagt man diesen Menschen, sie sollen wenig Fleisch und Fett, dafür viele Kohlenhydrate essen, schadet man ihnen.“

Doch auch für die metabolisch Gesunden gilt laut Scholl:

 

 „Kohlenhydrate müssen erst durch Muskelarbeit verdient werden“, denn: „Wenn die Glykogen Speicher der Muskeln mangels Bewegung immer voll sind, wird der Zucker aus den Milchschnitten und Marmeladenbrötchen in Fett umgewandelt.“

 

Auf die Allgemeinbevölkerung bezogen, ließen sich aus der PREDIMED-Studie 3 Empfehlungen ableiten, so Scholl.

 

 „Die wichtigste Ernährungsempfehlung lautet: Ausreichend bewegen! Die zweite Empfehlung: Sehr viel Gemüse und Salat essen! Und drittens: Auf die Fettqualität achten, die Menge spielt keine relevante Rolle.“

Mehr über Dr. med. Johannes Scholl

Dr. med. Johannes Scholl ist Internist, Ernährungs- und Sportmediziner in Rüdesheim und Präsident der Deutschen Akademie für Präventivmedizin e.V.

 

Dr. Johannes Scholl kann mit Fug und Recht als der führende Vertreter der neuen Ernährungsgrundsätze unter den maßgeblichen deutschen Ärzten angesehen werden.

 

Sein Vortrag auf dem 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Leitthema "Kardiovaskuläre Prävention in Deutschland: Evidenz und Realität" vom 11. April 2016 kann hier nachgelesen werden.

Titel:

"Paradigmenwandel in der Ernährungsmedizin: Wann ändern sich endlich auch die DGE-Empfehlungen an die deutsche Bevölkerung?"

Prof. Dr. Darius Mozaffarian ist Professor für Epidemiologie an der Harvard School of Public Health

https://www.hsph.harvard.edu/dariush-mozaffarian/

 

Auf Homepage der Harvard School of Public Health befindet sich eine Studie zur Übergewichtsepidemie in China, die sich mit der Übernahme der westlichen Ernährung ausbreitet:

https://www.hsph.harvard.edu/news/press-releases/china-heart-disease-stro/

 

Ein entsprechender Kommentar zu dieser englischen Studie ist im STANDARD erschienen:

http://derstandard.at/2000042886901/Westlicher-Lebensstil-Millionen-Chinesen-droht-Herztot

Sind dicke Mensch disziplinlos?

Wie hartnäckig sich alte Mythen halten, für die es keine Evidenz in guten Studien gibt, zeigt ein Kommentar zum Artikel auf Medscape, der von einem Arzt verfasst wurde:

 

„Dick zu werden/sein ist - von seltenen Ausnahmen abgesehen - ausschließlich ein Problem der Kalorienbilanz: Wer viele Energieträger verzehrt und dieselben nicht körperlich abarbeitet, wird dick. Dick zu sein ist keine Frage der Diät, des Mikrobioms, der "Drüsen" oder sonst noch etwas. Wer dick ist, outet sich mit seiner mangelnden Selbstdisziplin (analog Raucher ...)“.   08 16 2016 6PM

 

Sind Ihnen solche Sprüche bekannt? Viele Menschen haben ihren Ärzen bewiesen, dass es mit gesundem Fett und weniger Kohlenhydraten möglich ist, dauerhaft schlank zu bleiben. Selbstdisziplin heißt nicht hungrig durchs Leben zu gehen, sondern die Aufmerksamkeit auf natürliche Lebensmittel zu richten, die nicht den Verarbeitungsprozess einer Lebensmittelindustrie durchlaufen haben. Den Rest kann der Körper für uns erledigen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0