Darm ↔ Hirn und Retour

 

Die Darmbakterien rücken seit einiger Zeit immer mehr in den Mittelpunkt gesundheitlicher Betrachtung. Die Wissenschaft hat die Gene der Darmbakterien analysiert und kommt zur Ansicht, dass in unserem Darm mindestens 10 000 wenn nicht sogar über 35 000 Arten von verschiedenen Bakterien siedeln. Der Sammelbegriff lautet „Mikrobiom“. Unsere Gesundheit hängt weitgehend von der Zusammensetzung und von der Art dieses Mikrobioms ab.

 

Die Frage die gestellt werden muss: kann man mit der richtigen Ernährung das Mikrobiom günstig beeinflussen? Ist man mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung gut beraten? Oder sollte man die Angelegenheit der Pharma- oder Lebensmittelindustrie überlassen?

 

Hier einige Quellen, die die wichtige Rolle der Ernährung beschreiben.

Julia Tulipan beschäftigt sich auf ihrem Blog eingehend mit dem Thema. In ihrer "Evolution Radio Show" kommen interessante Gastreferenten zu Wort.

https://paleolowcarb.de/?s=darm

 

Dr. David Perlmutter betont in seinem neuesten Buch  „SCHEISS SCHLAU“ die Achse zwischen Darmflora und Hirn. Der Nachfolger seines Erfolgsbuches „DUMM WIE BROT“ zeigt, wie verarbeitete Kohlenhydrate und Zucker in allen Formen das Mikrobiom des Darms schädigen.

 

In unserem Gesundheitssystem haben es Spezialisten mit einzelnen Körperteilen und Organen zu tun. Dr. Perlmutter betont, wie die Achse zwischen Darm und Hirn in hohem Maß für unsere Gesundheit verantwortlich ist. Wachsende Evidenz zeigt, dass Übergewicht und Fettleibigkeit, also Stoffwechselerkrankungen, mit einer einseitigen Darmflora in Zusammenhang stehen. Demenz, Alzheimer oder Depressionen, werden dadurch begünstigt, ebenso wie zahlreiche Autoimmunkrankheiten, Entzündungen des Darms oder Krebs.

"Brain Maker" ist der englische Titel des Buches, das vom "Brainchanger" Dr. Perlmutter herausgegeben wird.

Auf englisch wird über YouTube ein kurzes Video zum Buch angeboten. Mit englischen Untertiteln.


Ganz aktuell beschäftigt sich ein Artikel im medizinischen Fachjournal JATROS, Neurologie & Psychiatrie Nr.3/2016 mit diesem Thema.

 

Auf dem Europäischen Psychiatriekongress geht Dr. Wulf Rössler, Prof. für Psychiatrie in Zürich, auf die Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten und psychischen Krankheiten ein:

 

Die Urbanisierung, eine andere Ernährung, weniger Bewegung und das Aufgeben traditioneller sozialer Strukturen sei einhergegangen mit einem Anstieg von Depressionen und anderen psychischen Krankheiten“.

 

Damit meint er, dass die westliche Ernährung zu viel Energie aber zu wenige und schlechte Nährstoffe enthält. Die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig und leidet gleichzeitig Mangel an Nährstoffen. Weit verbreitet ist somit eine Unterversorgung an Aminosäuren, Fetten, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Das Überangebot an hoch verarbeiteten Kohlenhydraten und der Mangel an Protein und Fett, sowie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen tragen dazu bei.

 

Dies wirkt sich auf das Immunsystem und in der Folge auch auf Depressionen aus.

 

„Viele nehmen inzwischen hochenergetische, aber an Nährstoffen arme Nahrung zu sich anstelle von traditionellem gesundem Essen“, sagt Dr. Rössler. Um Depressionen entgegenzuwirken empfiehlt er Nahrung reich an essentiellen Nährstoffen, also jene, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Unter ihnen auch Omega-3 Fettsäuren. Aus klinischen Studien schließt Prof. Rössler: „Nehmen wir von diesen Substanzen zu wenig auf, ist klar, dass unserem Hirn etwas fehlt“.

Eine allgemein akzeptierte Erkenntnis auf dem Kongress: Das Mikrobiom beeinflusst die Entstehung und den Verlauf von Angststörungen und Depressionen, da es auf bestimmte Nährstoffe ankommt, damit Serotonin und Dopamin, Botenstoffe für das Nervensystem, in ausreichendem Maß erzeugt werden können.

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