Vom Technik-Freak zum Ernährungsexperten

Das komplette 12 Minuten lange Interview:

http://www.dietdoctor.com/engineer-knows-doctor-full-interview

Ivor Cummins im Interview mit Andreas Eenfeldt

Das ganze Interview ist auf Englisch mit englischen Untertiteln. Aufgenommen bei der LowCarb Kreuzfahrt im Frühjahr 2016

 

 

Hier folgt eine Auswahl interessanter Passagen auf Deutsch


Ivor Cummins ist Fachmann im Bereich Technologie und Management. Als sein Blutbild ein Problem mit der Leber und Insulinresistenz signalisierte, fertigten ihn die Ärzte mit Medikamenten ab. Das kann es nicht sein, dachte er und ging mit seinen eigenen, in der Verfahrenstechnik erprobten wissenschaftlich Methoden,  an das Problem heran. Innerhalb einer Woche hatte er die Lösung.

 

Andreas Eenfeldt:

 

Wie kann sich ein Techniker im Bereich Ernährung und Gesundheit besser auskennen als seine Ärzte? Als Techniker sprichst du hier auf einer Ernährungskonferenz. Wie ist es dazu gekommen?

 

Ivor Cummins:

 

Das Ganze geht zurück auf das Jahr 2013. Ja, ich bin ein Experte auf dem Gebiet des Problemlösens, vor allem wenn es um komplexe Probleme geht. Ich hatte 2013 bei Blutanalysen schlechte Werte, ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Zu dem Leberproblem kam noch ein erhöhtes Cholesterin. Es ging mir um das Verstehen der Grundlagen und Auswirkungen der Behandlung und deren Qualitätskontrolle. Aber kein Arzt konnte dazu etwas Genaues sagen. Das widerholte sich bei weiteren zwei Ärzten. Es gelang mir nicht, genaueres über die Ursachen und Heilungschancen zu erfahren.

 

Damit war mir  die Situation klar. Es war ähnlich wie in meiner Arbeit, wenn Arbeitsgruppen und  Experten unsicher sind, musst du selbst etwas unternehmen. Es ist notwendig, die Fakten auf eigene Faust und an der Basis zu ermitteln. .

 

Ich wusste, was zu tun war. Über PubMed verschaffte ich mir Zugang zu aktuellen Studien. Ich war entschlossen selbst nachzulesen, wenn die Ärzte keine Antwort geben konnten.

 

Ich erforschte aus Peer-Review Arbeiten der letzten 40 oder 50 Jahre die GGT (Gamma-Glutamyl Transferase, ein Lebeenzym) und das Serum Ferritin (Speicherform des Eisens). Innerhalb einer Woche oder zwei Abenden hatte ich im Wesentlichen die Antwort auf mein Problem.

 

Es war der Kohlenhydratstoffwechsel. GGT steht meist in Verbindung mit Alkoholgenuss, was in meinem Fall nicht in Frage kam, das war nicht Stand des Wissens. Das GGT ist ein sehr guter Marker für eine Fettleber, die auch durch exzessiven Konsum von Kohlenhydraten entstehen kann.

 

Kein Arzt hat mich darauf hingewiesen, sie hatten keine Ahnung. Ich möchte ihnen gegenüber fair sein, sie hatten einfach keine Informationen. Sie wussten nicht, dass die Kohlenhydrate für das Anwachsen der Fälle von Fettleber verantwortlich sind und die Leberenzyme auffällig erhöhen.

 

Vermutlich ist die Fortbildung nicht am neuesten Stand orientiert. Bei meinen Recherchen zu GGT fand ich eine Menge von Texten über Alkohol als Ursache der Fettleber. Mir genügten einige Abende um auf das Problem mit den Kohlenhydraten aufmerksam zu werden.

 

Auch beim Serum Ferritin (Eisen in Speicherform) beschritt ich denselben Weg und entdeckte, dass es ein Marker für das metabolische Syndrom ist, denn es steht in Verbindung mit Leberfett und Insulinresistenz.

 

Ich entschied mich  zu einer kohlenhydratarmen Ernährung, aber nicht nach einem Diät Buch, sondern ausschließlich  gestützt auf meine Forschungsergebnisse. Mein GGT fiel in den unteren Bereich, ebenso das Ferritin. Ich vermied Brot, Reis, Pasta, klarerweise auch den Zucker. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Blutbild positiv verändert.

 

Alles war wieder normal, das war aber noch nicht alles. Es betraf sogar meinen Cholesterinstoffwechsel. Ich bemerkte, dass sich das Verhältnis der Triglyzeride zum HDL wesentlich verbesserte. Meine Triglyzeride sanken, mein HDL stieg an und ich verlor in acht Wochen 15 Kilo. Ohne Anstrengung, wie du wahrscheinlich weißt.

 

Gut, auch die Garderobe wurde gewechselt, das überraschte meine Arbeitskollegen. Mit meinem neuen Wissen hielt ich Seminare für 100 bis 120 Techniker und Ingenieure, es entstand so etwas wie eine Welle in meinem Betrieb.

 

Bald startete ich einen Blog, The Fat Emperor. Meine Seminare waren nicht besonders professionell, aber ich zeichnete sie auf und stellte sie auf YuoTube. Innerhalb weniger Tage begann eine intensive Korrespondenz mit Jeff Gerber, dem Organisator dieser Konferenz. Damit begann die Zusammenarbeit mit vielen anderen Personen in diesem Bereich.

 

Andreas Eenfeldt:

 

Wir wissen, du bist Technik-Ingenieur und trittst auf einer Ernährungskonferenz auf, bloggst und sprichst zu Menschen darüber. Was sind deine Beweggründe?

 

Ivor Cummins:

 

Ich bin kein reiner Altruist, aber ich hasse es, wenn es für technische Probleme klare Lösung gibt und diese nicht angewandt werden, nur weil Menschen lieber in trüben Gewässern herumwühlen.

 

Es war ärgerlich, dass ich auf meine Fragen keine Antwort erhalten habe.

 

Ich kam zur Einsicht, welche Farce es war, den Fokus derart auf das Senken von Cholesterol zu lenken. Ich bin mir sicher, dass viele Millionen Menschen darunter  leiden. Durch diese erworbenen Kenntnisse allein bin ich nicht zum Gutmenschen geworden dem das Herz blutet. Die Chance  zu helfen ist groß und die Wirkung ist enorm. Die Gelegenheit war einzigartig, so dass ich dachte „ich trage das hinaus in die Welt“. Das ist es, was mich wirklich antrieb.

 

Andreas Eenfeldt:

 

Zum Abschluss noch eine Frage: Wie konnten wir in diese Situation geraten? Sicherlich eine harte Frage…

 

Ivor  Cummins:

 

Es gibt viele Gründe…. Einer davon ist die Eitelkeit, die in diesem Beruf herrscht. Es steht wie in Stein gemeißelt  fest: „Fett ist gesundheitsschädlich und Cholesterol ein Marker für Herzkrankheit“. Wie sieht das aus, wenn jetzt ein Arzt daherkommt und behauptet, er hatte unrecht? Wie viele Karrieren sind auf dieser Grundlage entstanden?

 

Auch das Ausbildungssystem in der Medizin ist sehr schwer zu verändern, wie ich weiß.

 

Auf der anderen Seite hat die Industrie ein enormes Geschäftsmodell aufgebaut, mit Medikamenten um das  Cholesterol und mit verarbeiteten Kohlenhydraten. Dazu finanzierten die Industrie Wissenschaft und Forschung. Natürlich will sich niemand  blamieren und so hält sich das herrschende Paradigma am Leben. Wenn man also die professionelle Eitelkeit und das System der Finanzierung zusammenzählt wird es verständlich, dass diese Illusion weiterlebt. Ich glaube, im Wesentlichen funktioniert es so.

 

Im Jahr 1955 hat ein bekannter englischer  Biochemiker, Michael J. Gurr, an die 50 Studien veröffentlicht, in denen er darstellte, dass keine einzige von all diesen „ Fett- gegen Kohlenhydratstudien“ einer Überprüfung stand hielten, alles ohne wissenschaftliche Evidenz waren. Aber wie alle anderen ähnlichen Papiere, wurden die Menschen ignoriert, die aufzeigten, dass der Kaiser ohne Kleider da stand. Es geht um zu viel Geld.

 

Andreas Eenfeldt:

 

Wie können wir diese Ignoranz stoppen? Ja, was können wir tun um zu einer besseren Gesellschaft zu kommen? Hast du eine Idee?

 

Ivor Cummins:

 

Ich glaube, wenn wir nicht im Zeitalter von Internet und sozialen Medien angekommen wären, wären wir immer noch in düsteren Verhältnissen. All diese Informationen wären nicht verfügbar, schon gar nicht für Techniker. Die veröffentlichten Studien wären versteckt in Bibliotheken. Daher glaube ich, eine große Bewegung ist im Entstehen.

 

Ich habe Prof. Richard Feynman voriges Jahr in New York interviewt. Er erwähnte einen interessanten Punkt. Er glaubt, der Krebs würde die zweite Low-Carb-Revolution auslösen. Atkins war die erste. Die Menschheit ist von Krebs existenziell  bedroht und er breitet sich immer weiter aus. Krebserkrankungen werden vom exzessiven Kohlenhydrat- und Zuckerkonsum beeinflusst, das kann noch ein ganz heißes Eisen werden. Daher glaube ich, die Forschung dazu ist auf dem Weg. Die Menschen werden mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit darauf lenken.

 

Andreas Eenfeldt:

 

Somit ist das Internet und die sozialen Medien und die Krebsforschung dabei –

 

Ivor Cummins:

 

Natürlich auch Diabetes,  das sind ja unhaltbare Zustände, das ist ja absurd.

 

Bald ist der Gipfel erreicht, das System kann nicht mehr lange so weitermachen.

 

Wie lange wird es noch bis zum Paradigmenwechsel dauern? Ein Jahr oder noch ein Jahrzehnt? Ich schätze noch ca. 10 Jahre, denn die wirtschaftlichen Interessen sind gewaltig. Es wird interessant, wie es weitergeht.

 

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