Ein bekannter Sportwissenschaftler denkt um.

Als Teamarzt des FC Liverpool und Chefmediziner der australischen Cricket-Nationalmannschaf wurde  Dr. Peter Brukner populär. Als Sportwissenschaftler war er ein gefragter Vortragender, Wissenschaftsautor und Forscher zu sportmedizinischen Themen. All sein Wissen schützte ihn nicht vor Übergewicht. Erst durch eine Ernährungsumstellung wurde er wieder gesund! Er ist bereit, seine 30-jährige Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu korrigieren. Er sagt: unser medizinisches Modell beruht auf Krankheit anstatt auf Gesundheit.

Das Problem? Er war seit jeher ein Anwalt für „Carb Loading“ und einer kohlenhydratreichen Ernährung. Durch sein eigenes Übergewicht und Fettleber begann er an seinen eigenen Lehren zu zweifeln. Aufgerüttelt durch Dr. Tim Noakes und Gary Taubes (Good Calories, Bad Calories) wagte er den Selbstversuch. Seine alte und neue Rolle als Ernährungswissenschaflter schildert er Andreas Eenfeldt.

He Questioned His Own Beliefs – Full interview (Englisch)

 

Deutsche Abschrift:

Er hinterfragt seine eigene Meinung

 

Dr.Andreas Eenfeldt:

 Als Arzt sollte man von Ernährungslehre eine Ahnung haben. Aber die wenigsten machen davon Gebrauch. Dr. Peter Brukner war Teamarzt der australischen Kricketmannschaft. Er wurde übergewichtig, stellte Prediabetes und eine Fettleber fest und wagte die kohlenhydratarmer Ernährung.

 

Dr. Peter Brukner:

Ja, als Ärzte sollten wir von Ernährung mehr Ahnung haben. Leider erfahren wir äußerst wenig in unserer Ausbildung. Wir studieren alles Mögliche, wie Chirurgie, Pharmakologie und äußerst wenig über Ernährung.

Vor 30 Jahren war ich einer von vielen und schrieb das Buch „Food for Sport“ (Ernährung im Sport). Ich war an diesem Thema sehr interessiert. Aber mit der Zeit verschwand mein Interesse. Es handelte nur noch um „Carb Loading“. Es hieß, man müsse viel trinken und sprach nur von Kohlenhydraten und Flüssigkeit. Das war das Mantra, das ich akzeptierte.

 

Dr. Andreas Eenfeldt: 

Ein gutes Geschäft für die Getränkehersteller.

 

Dr. Peter Brukner:

Ja, absolut! Das war mir damals egal. Im Jahr 2012 änderte sich für mich plötzlich alles. Ich habe gerade meine Arbeit mit dem FC Liverpool in der Premier League beendet, da las ich einen Artikel von Tim Noakes. Die meisten werden ihn kennen. Er ist ein südafrikanischer Arzt und Wissenschaftler  im Bereich Sportmedizin. Ich kenne ihn schon seit langem, wir hielten gemeinsam Vorträge.  Ich war immer beeindruckt von seinem Intellekt und seiner Fähigkeit, Normen zu hinterfragen. Er hat oft recht behalten. 2012 outete er sich, nicht in der heutigen Bedeutung. Er outete sich dahingehend, dass er eingestand, unrecht gehabt zu haben. Er war ein Vertreter der kohlenhydratreichen Ernährung und hatte in diesem Sinn die Laufbibel geschrieben. In dieser forderte er eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten. 2012 war er bereit zu erklären, dass er sich irrte. Er selbst entwickelte Typ-2 Diabetes und Übergewicht. Er löste seine Gesundheitsprobleme und in der Folge auch die anderer Menschen, indem er von kohlenhydratreicher zu kohlenhydratarmer  Kost und mehr Fett (LCHF) überging.

 

Als ich seine Texte las, dachte ich zuerst  „ist er jetzt wahnsinnig geworden?“ Er war schon immer ein Grenzgänger, nun ist es aber hinüber!

 

Tim Noakes war immer jemand, der Dogmen überprüfte. Er ist entschieden einer der klügsten Menschen, die ich kenne. Daher begann ich mich für dieses Thema zu interessieren und zu lesen. Ich las „Good Calories, Bad Calories“  von Gary Taubes. Ich war vor Erstaunen völlig erschlagen, denn was ich las, war unglaublich! Das Beste mit diesem Buch war, dass es nicht von Kohlenhydraten und Fett alleine handelte, sondern dass es auch politische und historische Fakten hinter der Fettangst aufdeckte.  Die gestaltenden Interessen kamen nicht von der Wissenschaft, sie kamen von der Politik und Ökonomie.

 

Dr. Andreas Eenfeldt:

Was war es, das dich am meisten verwirrte?

 

Dr. Peter Brukner:

Jedes Mal, wenn ich das Buch weglegte, dachte ich: “wir können doch nicht 30 Jahre lang so danebengelegen sein?  Das ist doch ein Grundpfeiler unserer westlichen Welt?“

 

Fettarm, fettarm…. wir lernten, dass gesättigtes Fett schlecht ist und wir mussten unsere Essgewohnheiten ändern. Ich wollte nicht glauben, dass das, was ich las, wahr wäre. Es war schwindelerregend.

 

Ich war verstört und wurde zornig. Ich dachte an alle Ratschläge, die ich gegeben hatte. Dann vertiefte ich mich in die Literatur und las alles was ich fand. Noch immer wollte ich es nicht glauben. Es war Zeit, den wissenschaftlichen Beweis anzutreten. Ich entschloss mich zu einem Experiment.

 

Alle Wissenschaftler wissen, eine Studie mit nur einer Person ist völlig wertlos. Eine Ausnahme ist aber, wenn man sie an sich selber durchführt. Das veranlasste mich zum Selbstversuch.

 

Ich war gerade 60 Jahre geworden. Regelrechte 30 Kilo hatte ich zugenommen. So ein halbes Kilo pro Jahr bis zu 93 Kilo. Das waren 15 zu viel. Meine Kinder zeigten schon auf mich und sagten: „mach was dagegen!“ Ich entgegnete: „ich esse ohnehin fettarm, massenhaft Brot, Cornflakes und Getreide “. Ich betrieb Sport und nahm trotzdem weiter zu. Das alles geschah in jenem Alter, in dem mein Vater Typ-2 Diabetes bekam. Er litt an Komplikationen und verstarb vor einigen Jahren. Ich hatte auch eine Fettleber, wie ich aus den Blutbildern der vergangenen 10 Jahre wußte. Aber typisch für einen Arzt, ich ignorierte das. Ich habe es völlig verdrängt. In unserer Familie war Bauchfett, Fettleber und ein hohes Niveau an Triglyzeriden häufig. Mein Blutzucker war normal, aber alle anderen Anzeichen für Diabetes waren vorhanden.

 

Den Tag eins der Umstellung begann ich mit einer Blutanalyse. Damit startete ich das Experiment mit kohlenhydratarmer Kost. Ich machte Schluss mit Reis, Pasta und Brot, also meiner Basisnahrung. Ich konzentrierte mich auf gesunde Fette – herrliche Sachen – Fleisch, Fisch und massenhaft Gemüse.

 

Eier, Butter, Speck, Avocado, Nüsse, Käse, Karfiol-Reis und Ähnliches, so ging das 13 Wochen.

 

Vor allem bemerkte ich, dass ich nicht mehr hungrig war. Bisher aß ich Cornflakes zum Frühstück, so um 7:00 Uhr. Um 11:00 fühlte ich mich ausgehungert. Ich konnte kaum das Mittagessen erwarten. Mit der neuen Nahrung reichten praktisch 2 Mahlzeiten, interessant – welch ein Unterschied!

 

Ja, tatsächlich, und ich verlor Gewicht. Ich nahm ein Kilo pro Woche ab. Es war fantastisch! Ich aß fett und nahm ab. Es ist unglaublich motivierend, wenn man abnimmt, vor allem wenn man etwas verändert, das etwas bewirkt. Als drittes bemerkte ich, dass ich mehr trainieren konnte.

 

In der Beratung sage ich den Menschen, der Übergang von der Kohlenhydrat- zur Fettverbrennung kann 3 Wochen dauern. Bei mir aber geschah die Umstellung unmittelbar. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages zu meiner Frau sagte: „ich habe das Gefühl, ich kann laufen so viel ich will“.

 

Ich hielt mich 13 Wochen an diese Diät. Ich genoss dieses Essen und ließ es mir schmecken. Hungrig war ich nie. Mir ging es blendend und ich beobachtete meine Blutwerte. Meine ersten Analysen zeigten keinen Unterschied. Das enttäuschte mich ein wenig. Nach zwei Wochen machte ich wieder ein Blutbild. Jetzt, da sich  das Gewicht stabilisiert hatte, waren auch die Triglyzeride niedriger und das HDL höher. Gesamtcholesterin und LDL blieben ungefähr gleich. Ich bin überzeugt, dass  die Triglyzeride und das HDL zu beachten sind, insbesondere das Verhältnis zwischen den beiden. Dieses war vorher über 2 und ging herab auch 1. Es hat sich also halbiert. Die Triglyzeride sanken um 50 Prozent und das HDL stieg leicht an.

 

Dr. Andreas Eenfeldt:

Wie sah es mit den Leberenzymen aus?

 

Dr. Peter Brukner:

Meine Leberwerte waren wieder völlig normal. Meine früheren Befunde, die 7, 5 und 3 Jahre alt waren, wiesen erhöhte Leberwerte auf. Ein klassisches Zeichen von Fettleber. Das klingt komisch. Ich habe es vergessen und verdrängt. Ich wollte es nicht wahr haben, weil ich nicht verstand woran es lag.

 

Ich hatte eine Fettleber und das Problem war mit einer 13-wöchigen Diät gelöst! Ich verlor 13 Kilo und war dabei nie hungrig. Die Triglyzeride sanken und das HDL stieg an. Und meine Fettleber war verschwunden. Es gab nur ein Problem: ich musste mich neu einkleiden. Das Ganze war ein teures Unterfangen, aber es hat sich ausgezahlt.

 

Dr. Andreas Eenfeldt:

 Seither sind 3 bis 4 Jahre vergangen, was geschah in dieser Zeit?

 

Dr. Peter Brukner:

Ich esse kohlenhydratarm, aber nicht extrem. Wenn mir jemand Reis oder ein Dessert serviert, sage ich nicht nein. Im Normalfall esse ich keine stärkehaltigen Speisen, wie Brot, Pasta, Reis oder Kartoffeln. Ich halte das nicht wie eine Diät, sondern wie einen Lebensstil.

 

Am Morgen gibt es Eier und Speck oder geräucherten Lax mit Avocado. Oder ein selbstgemachtes Müsli mit fetter griechischer Joghurt. Ich mische Nüsse, Samen und einige Beeren. Das Mittagessen lasse ich meistens ausfallen. Vielleicht hier und da einige Nüsse oder ein Stück Käse. Am Abend gibt es dann Fleisch oder Fisch mit viel Gemüse. Das ist ein herrliches Leben. Ich habe mein Gewicht gehalten, oder nur ganz wenig zugenommen. Manche Menschen meinen, ich sehe zu mager aus, die sind mit nichts zufrieden. Mit geht es gut und ich kenne keine Nachmittagstiefs mehr, bei denen mir zum Einschlafen zumute ist. Ich bin voll Energie und fühle mich wohl. Meine Blutwerte sind weiterhin gut.

 

Über die Situation der Ernährung bin Ich nach wie vor frustriert und zornig. Es sind zahlreiche Beweise vorhanden und es ist mit unserem Wissen offenkundig, dass ein radikales Umdenken notwendig ist.

 

Alles was ich jetzt vorhabe, ist, diese Botschaft zu verbreiten. Ich bin frustriert und zornig. Die Beweise sind so zahlreich und für uns, die wir uns damit auseinandersetzen, offenkundig. Trotzdem handelt die ganze offizielle Welt, samt  meinen Kollegen, Ärzte und Diätisten, als wären sie blind. Sie weigern sich, zu sehen, was geschieht. Sie behaupten weiterhin, Typ-2 Diabetes ist eine Krankheit, mit der man leben muss. Das stimmt nicht.

 

Man kann es drehen und wenden wie man will. Alles geht von der Ernährung aus. Wir haben auf diesem Gebiet ein großes Problem. Wir warten, bis die Menschen krank werden und dann bieten wir Medikamente und chirurgische Eingriffe. Unser medizinisches Modell beruht auf Krankheit anstatt auf Gesundheit. Unser Anliegen dagegen ist es, die Menschen gesünder zu machen.

 

Dr. Andreas Eenfeldt:

Um deine persönliche Geschichte zusammenzufassen: Was würdest du dir von Anfang an wünschen, wenn du das Rad zurückdrehen könntest?

 

Ich wünschte, wir hätten  uns nie auf dieses Experiment mit Fettverzicht eingelassen. Es fehlt der wissenschaftliche Hintergrund. Es basierte zur Gänze auf Politik und Geld. Das wird unsere größte und teuerste gesundheitliche Katastrophe. In hundert Jahren werden die Menschen sagen: „Die verheerendste Gesundheitsmaßnahme, welche in der Geschichte der Menschheit je eingeführt wurde, war, Fett aus dem Essen zu streichen. Die Vertreter der Lebensmittelindustrie haben sehr klug darauf reagiert. Als sie das Fett entfernten, bemerkten sie, dass auch der Geschmack verschwand. Sie ersetzten das Fett durch Kohlenhydrate und alle möglichen Zuckerarten. Die Folge waren globale Epidemien von Fettleibigkeit, Typ-2 Diabetes und Fettleber. Das begann genau zu dem Zeitpunkt, als wir die fettarme Ernährung empfahlen. Unsere größte Katastrophe. Es ist höchste Zeit umzudrehen. Kein Tag ist zu früh. Meine Leidenschaft für den Rest meines Lebens besteht darin, alles zu tun um meine Fehler der vergangenen 30 Jahre wiedergutzumachen.

 

Die Transkription und Übersetzung ins Deutsche aus dem Originalvideo erfolgte von Robert Schönauer

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www.dietdoctor.com

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