Ernährungsrevolution in Großbritannien:                           Steuer auf süße Soda-Getränke

Lange wurde diskutiert. Für uns kam der Beschluss trotzdem überraschend. Eine Steuer auf besonders zuckerhaltige Getränke, insbesondere jene mit viel Kohlensäure, sollen Teenager vor dem Konsum abschrecken.

Die Erfolge von Mexiko wirken ansteckend. Im Land mit der weltweit höchsten Rate an jugendlichem Übergewicht zeigt die Zuckersteuer ein Jahr nach ihren Einführung Wirkung: eine Studie im British Medical Journal belegt, dass der Verkauf von zuckerhaltigen Getränken um 12 Prozent zurückging, hingegen der Absatz von abgefülltem Wasser um 4 Prozent angestiegen ist.

BMJ 2016;352:h6704

Reine Fruchtsäfte und Milchshakes werden von der britischen Steuer nicht erfasst und kleinere heimische Produzenten bekommen Ausnahmegenehmigungen. Die Steuer wird direkt bei den Herstellern oder Importeuren eingehoben, und variiert in der Höhe je nach Zuckeranteil. Steuerfrei bleibt eine Menge von weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 ml, bei über 8 Gramm setzt die volle Höhe ein.  Diese trifft Getränke wie Coca Cola oder Pepsi Cola, die geringere Steuer gilt für Fanta, Sprite, oder „Radler“ (Bier-Limo Mischung).

Dieser erste Schritt im Kampf gegen rasant steigende Gesundheitskosten wurde gegen die Macht der Getränkeindustrie mit Unterstützung des gesamten Gesundheitsapparats erreicht.

Bilder: Pixabay

Eine Dose Energy-Drink kann bis zu 9 Stück Würfelzucker enthalten!

Die jahrelange öffentliche Diskussion über Energy-Drinks hat Wirkung gezeigt. Eine Dose Cola mit 330 ml enthält 7 Teelöffel Zucker, das sind ca. 35 g! Die empfohlene tägliche Höchstmenge für Jugendliche über 11 Jahren beträgt 30 g. Der Zucker liefert leere Kalorien ohne Nährwert, macht daher hungrig und fördert das Verlangen nach Essen. Hier orten die Gesundheitsexperten die Hauptursache für die Epidemie des Übergewichts, nicht nur unter Jugendlichen.


Das Problem des Übergewichts, das Großbritannien unter anderem mit steuerlichen Maßnahmen in Angriff nimmt, ist auch für die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  eine der größten Herausforderungen des öffentlichen Gesundheitswesens.

Die BBC News melden aktuelle erschreckende Zahlen. Zu Beginn der Schulpflicht ist eines von zehn Kindern stark übergewichtig („obese“), am Ende der Primarstufe bereits eines von fünf. Wenn man zu diesem Zeitpunkt alle Kinder mit einfachem Übergewicht zusammenzählt, trifft es bereits eines von drei Kindern, das zu viel Gewicht mit sich herumträgt.Der Schatzminister George Osborne verspricht, die gesamten Steuereinnahmen von geschätzten 520 Millionen Pfund für Bewegungsaktivitäten an englischen Volksschulen auszugeben. Studien zeigen, dass sich die Hälfte der Siebenjährigen zu wenig bewegen.

Weitere Schritte in Planung

 Der oberste Vertreter der Nationalen Gesundheitsbehörde (NHS) England's, Simon Stevens, ordnet dem Zuckerkonsum ein weitaus größeres Gefahrenpotential bei und nennt das Problem „das neuen Rauchen“. Zitat: "Rauchen tötet immer noch mehr als 80 000 Menschen pro Jahr, rauchen ist ein riesiges Problem. Aber es stellt sich heraus, dass die Ernährung nicht mehr weit davon entfernt ist."
(“Smoking still kills 80,000-plus people a year, smoking is still a huge problem. But it turns out that diet has edged ahead.”)

Im Interview mit dem Guardian verweist er auf die Unterstützung von Premierminister Cameron und Schatzminister Osborne. Mit ihrer Hilfe sollen zuckerhaltige Lebensmittel  in allen Krankenhäusern Englands verschwinden. Hoch kalorische Lebensmittel mit geringem Nährwert, wie Fast-Food und Snaks haben in Krankenhäusern dann nichts mehr verloren. Simon Stevens wörtlich: "Bis 2020 haben wir entweder diese Praxis aus allen Krankenhäusern entfernt oder  einen Ersatz in Form der Zuckersteuer..."

(“By 2020, we’ve either got these practices out of hospitals or we’ve got the equivalent of a sugar tax on the back of them...”)


Jamie Oliver

Der Starkoch und Fernsehmoderator, ist der führende Kopf der jahrelangen Kampagne für diese Steuer. Er gibt sich mit diesem ersten Sieg nicht zufrieden. Jamie Oliver weist darauf hin, dass es mit mehr Bewegung in der Schule nicht getan ist und verlangt ein Pflichtfach Ernährungslehre, bei dem die Praxis des Kochens im Mittelpunkt stehen muss.


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