Alles zu billig: wer wird überleben? Ein Kommentar zur Lage der Kleinbauern.

Masse oder Klasse: beides geht nicht !

Zu meinen Freunden gehört auch ein echter Bauer in meiner Nähe, der seinen Beruf liebt und seinen Hof als Familienbetrieb führt. Er verkauft seine selbst erzeugten Produkte auf dem Markt und ab Hof. Möglich ist das nur, weil er sich auf seine Familie stützen kann. Wenn uns wir schön langsam aus dem Bett schälen, ist er schon seit 5 Uhr früh unterwegs und sorgt sich um Schafe, Hühner und Schweine. Am Markt und ab Hof drängen sich die Kunden um seine selbstproduzierten Qualitätsprodukte.

 

Sein größter Lohn ist die Beziehung zu seinen Stammkunden, die auch bereit sind, seine Arbeit und die seiner Familie durch entsprechende Preise anzuerkennen. Was übrig bleibt, wird von Jahr zu Jahr etwas weniger und durch kleinliche Vorschriften über Hygienemaßnahmen und Aufzeichnungspflicht (Registrierkasse) abgezwickt. Trotzdem sagt er, er hat den schönsten Beruf, den er sich nur vorstellen kann!

 

Demgegenüber erfährt man aus den Medien, wie schlecht die Zukunft der heimischen Landwirtschaft abgesichert ist. Wir haben zu viele Großbetriebe, die auf den Export angewiesen sind.  Ob bei Schweinen, Milch oder Obst, überall findet derzeit ein Preisverfall statt, der viele Bauern an den Rand der Existenz bringt. Dagegen können nur kleinstrukturierte Mischbetriebe mit eigenem Anbau und Viehhaltung Preisschwankungen abfedern und die Ernährungssicherheit auf Dauer gewährleisten.

 

Nach den Gesprächen mit meinem Freund, dem echten Nahversorger, lese ich die Aussagen des österreichischen Landwirtschaftsministers, Andrä Rupprechter, und des Trägers des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren, mit gemischten Gefühlen.

"Wir kaufen im Supermarkt billig ein, aber für Umwelt und Gesundheit zahlt dann die Gemeinschaft", kritisiert der Agrarökonomen und Trägers des alternativen Nobelpreises Hans Herren im derStandard.

Auch der österreichische Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter stimmt überein: "Billig gibt's nicht".

Der Herr Minister und der ausgezeichnete Agrarökonom sind sich einig und kennen die Materie. Sie müssen aber zugeben, dass das Bauernsterben und die nachhaltigen kleinräumigen Strukturen nicht von selber wachsen. Sondern im Gegenteil. Pro Jahr geben weiterhin ca. 2 Prozent der Betriebe auf und neue Produzenten, die artgerechte Viehzucht betreiben, wachsen nicht nach. Die Agrarsubventionen landen bei den Marktriesen und fördern den Export. Biologische Produkte können zwar in Masse erzeugt werden, was zwar besser ist, aber noch lange nicht automatisch für Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sorgt.

 

Rupprechter und Herren stellen zu Recht fest, dass  Lebensmittel im Allgemeinen zu billig sind und die Erzeuger um die Existenz bringen. Welche Möglichkeiten hat ein Landwirtschaftsminister, das System zu ändern? Wie es aussieht keine, außer die Konsumenten anzuflehen, mehr auf Qualität und Herkunft zu achten, als auf den Preis.

 

Robert Schönauer

derstandard.at/2000031579651/Agrarforscher-Nahrungsmittel-sind-viel-zu-billig

http://www.zeit.de/wissen/2013-09/alternativer-nobelpreis-2013/seite-5

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