„Ich bin für die Patienten da und nicht…“ Ein schwedischer Arzt im Interview

"Ich bin für die Patienten da und nicht für die Leitlinien", sagt Dr. Randmaa (rechts) im nachfolgenden Interview.

Zwei Ärzte im Gespräch: Dr. Andreas Eenfeldt (links im Bild) interviewt seinen Kollegen Dr. Peter Randmaa (rechts im Bild). Sie gehen der Frage nach, wie es Ärzten geht, wenn sie beginnen, ihre Patienten über LCHF zu informieren.

Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen die Vorzüge einer kohlenhydratarmen fettreichen Ernährung entdecken. Diese Entwicklung macht auch vor Ärzten nicht halt.  Abgesichert durch immer mehr qualifizierte wissenschaftliche Studien, beraten sie ihre Patienten in Ernährungsfragen. Das Umfeld für eine offene Diskussion ist in Schweden günstig, so dass Ärzte nicht Ihren Beruf riskieren.


Der Allgemeinmediziner und Leiter eines Gesundheitszentrums in Schweden, Dr. Peter Randmaa, verlor 15 Kilo mit LCHF und hat begonnen, seine Diabetespatienten dementsprechend zu beraten. Er erzählt, wie seine Patienten gestehen: „zum ersten Mal war mein Besuch beim Arzt wirklich aufschlussreich“, und welche beeindruckenden Ergebnisse in kurzer Zeit erzielt wurden.

 

Wie es Dr. Randmaa in einem Gesundheitssystem geht, das nicht immer so positiv auf Neuerungen reagiert und was die Kollegen dazu sagen, schildert er im folgenden Interview:


E (Dr. Andreas Eenfeldt): Du hast selbst eine Gesundheitsreise mit LCHF hinter dir, worauf du begonnen hast diese Erfahrungen an deine Patienten weiterzugeben. Was ist passiert?

 

 

E: Es hat dir aber nicht genügt, dir selbst zu helfen!

 

 

 

 

 

 

 

 

E: Wie hat das funktioniert? Ich bin ja auch Arzt und dass man sich Zeit nimmt in Ernährungsfragen zu beraten, ist doch eher ungewöhnlich.

 

 

 

 

 

 

E: Was ist eigentlich geschehen, mit den ca. 20 bis 25 Diabetikern, die deinen Rat angenommen hatten?

 

E: Im Normalfall geht es mit der Zeit eher in die andere Richtung. Es stellt sich eher die Frage nach mehr Medikamenten. Gab es auch andere Reaktionen?

 

 

E: Du bist ja ärztlicher Leiter  eines Gesundheitszentrums.

 

 

 

 

E: Meinte er, es gäbe keine Beweise?

 

 

 

 

 

 

 

E: Ein Teil deiner Kollegen und deine Mitarbeiter waren also skeptisch (immerhin bist du Ambulanzchef). Was sagen jene, die in der Hierarchie weiter oben sitzen – wie verlief die Diskussion?

 

 

 

 

 

 

 

E: Ja, das ist wohl etwas eigenartig. Es sollte doch auf die Resultate  ankommen.

 

 

E: Dass die Patienten  nun bessere Werte hatten und die Medikamente  verringern konnten….

 

E: Bei dir ist es schnell gegangen, du bist ja erst voriges Jahr umgeschwenkt….

 

 

 

 

 

 

 

 

E: Was würdest du anderen Ärzten, Diätologen oder Diätisten mitteilen, die das Gefühl haben, - „LCHF für Diabetiker, daran kommen wir einfach nicht vorbei“.  

 

 

E: Wäre es nicht wünschenswert, wenn das alle könnten?

E: Danke vielmals für das Interview!

R (Dr. Peter Randmaa): Im Zusammenhang mit einer Hüftoperation drängte mein Orthopäde auf eine Gewichtsreduktion als Unterstützung zur besseren Rehabilitation und Genesung.  Daraufhin vertiefte ich mich in die LCHF-Literatur, speziell über  Zucker und Gluten und was damit zusammenhängt. Ich stellte meine Ernährung um, vermied jeden Alkohol und bemerkte langsam, dass es mir besser ging. Ich nahm ungefähr 15 Kilo ab, ohne sonderlich viel Bewegung zu machen.

 

 

R: Nein, Nach einem 3-monatigen Krankenstand kam ich in meinen Beruf zurück. Ich dachte, was bei mir funktionierte, müsste doch auch bei den Patienten gelingen, vor allem bei Diabetikern. Ich bemerkte, dass einige Diabetiker ganz besonders offen für Ernährungsratschläge waren, statt  neue Medikamente gegen Gewichtsprobleme und schlechte Werte verschrieben zu bekommen. Ich eignete mir somit Wissen  zum Thema Ernährung an, teils durch meine eigenen Erfahrungen, teils aus der Literatur. Ich ging dazu über, mehr und mehr die Patienten in Ernährungsfragen zu beraten.

 

 

R: Ach, das war ein neues Erlebnis, denn ich bemerkte, dass für die Patienten der Arztbesuch zum ersten Mal wirklich sehr interessant wurde. Die Arztbesuche sind auf kurze Einheiten zugeschnitten, um Einnahmen zu schaffen. Wenn ich in einem 30-minütigen Gespräch über Ernährung informierte, wurden die Patienten außergewöhnlich hellhörig. Sie schrieben mit und baten mich auch alles niederzuschreiben. Nach drei Monaten wurden wieder ihre Blutwerte gemessen: nach dieser kurzen Zeitspanne konnte man bereits bei Langzeitblutzucker, Gewicht, und Cholesterol eine Auswertung vornehmen. Hatten die Patienten dabei die Ernährung befolgt, gab es gute Resultate, was sie noch mehr bestärkte, die Rastschläge zu befolgen.

 

 

R: Sie entdeckten ihr Interesse und sahen auch ihre besseren Ergebnisse – für alle lief es vielleicht nicht so glatt, aber die Mehrheit hat sich verbessert und konnte die Medikamente verringern oder sich auf jeden Fall eine Steigerung der Insulinmenge ersparen, sodass eine positive Reaktion von Patientenseite erfolgte.

 

 

R: Ja, meine lieben Kollegen!!!  ich habe bemerkt, da lag etwas in der Luft, was ich nicht richtig verstand, etwas, das ich bisher in meiner Laufbahn, ich bin gerade 60 geworden, noch nicht erlebt hatte.

 

 

 

R: Das ist richtig – schließlich wurde ich von einem Kollegen zu einem Gespräch „vorgeladen“, mit den Worten: „Peter, hör bitte auf mit diesen Ernährungsempfehlungen, das kommt nicht gut an“.

Das hat mich verwundert, worauf ich antwortete: „Wie ist das möglich?“

„Das ist ja  nicht evidenzbasiert“

 

R:  Ja, genau. Und das hat mich verwundert. Dazu kam noch meine Diabetesassistentin, die sich auch ein wenig für LCHF interessierte. Als ich nach einem Urlaub zurückkehrte, war sie zum Chefarzt gegangen und hatte erzählt, dass ich den gängigen Prinzipien bei der Behandlung von Diabetikern nicht folgen würde. Es ging um Ernährungsberatung an Stelle von Verschreibung von Medikamenten, von denen wir ja wissen, dass sie viele Nebenwirkungen bei den Patienten haben.

 

 

R: Ich hatte ein gutes Gespräch mit dem Chefarzt. Er hat großes Verständnis für dieses Thema und er sagte, es gäbe gewisse Routinemängel, die man verbessern könnte. Wir gingen nicht näher auf die Unterschiede zwischen Schulmedizin und Ernährungsberatung ein, sodass wir in der Diskussion nicht weit kamen. Ich vertrat meine Meinung, dass ich mich mehr als Anwalt der Patienten fühle und auf sie höre, weniger auf „kluge Leitlinien“. Die  Vorschriften der Gesundheitsbehörden gilt es natürlich zu befolgen, wenn aber etwas nicht stimmt und Nebenwirkungen bei den Patienten auftreten, dann müssen wir Alternativen suchen oder von Grund auf Änderungen vornehmen. Es kann ja nicht gefährlich sein, die Ernährung zu ändern, vorausgesetzt, man betreut die Patienten und kontrolliert die Folgen. Mir fällt es dagegen schwer daran zu  glauben, es sei in Ordnung schwere Medikamente zu verschreiben, die offensichtlich Nebenwirkungen verursachen, und dies besser sei, als Ernährungsratschläge zu geben. Ich halte das nicht für richtig.

 

 

R: Genau, das ist entscheidend.

 

 

 

 

R: Absolut, sie waren sehr zufrieden und wollen mich weiterhin als ihren Arzt konsultieren.

 

 

 

R: Ja, ich habe noch viel zu lernen – ich besuche auch einen Fernlehrgang bei Bitten Jonsson – „Holistic addiction Medicine“ (Ganzheitliche Suchtmedizin).

Das Buch von Bitten Jonsson ist auf Deutsch erschienen:

"Zucker nein danke! Was Zucker in Ihrem Körper anrichtet. So ändern Sie Ihre Essgewohnheiten" Ich kann es wärmstens empfehlen.

 

 

R: Ich glaube, sie sollten ihre Augen offen halten, offen sein für neue Erkenntnisse und alte Dogmen und Mythen ablegen. Versuchen das Neue zu sehen und demütig sein und auch einsehen, dass man vielleicht nicht immer recht gehabt hat oder sogar Fehler begangen hat und es zugeben, anstatt sich in einer veralteten Engstirnigkeit oder Wirklichkeit einzusperren. Einfach nach vorne blicken, sich öffnen und bereit sein für neue Erkenntnisse, die auch dokumentiert sind. Es geht nur darum diese anzunehmen und weiter zu lernen.

 

 

R: Absolut!