US-Leitlinien zur Ernährung: (fast) alles beim Alten

Wie befürchtet, hat der US-Kongress die Leitlinien der vergangenen Jahrzehnte    für weitere fünf Jahre einzementiert

Kalorien sparen, Fett reduzieren und mehr Bewegen lautet der beschlossene Gesundheitsplan. Hat schon einer dieser Abgeordneten überlegt, warum sich Übergewicht und Diabetes trotz dieser Empfehlungen weiter epidemisch ausbreiten? Soll mehr vom selben eine Veränderung bringen? Wie soll das Anwachsen dieses enormen gesundheitlichen Massenelends gebremst werden, wenn nicht durch einen radikalen Richtungswechsel in der Ernährungspolitik?

 

In großen Medien und wissenschaftlichen Journalen haben zahlreiche Forscher den Aufstand geprobt. Das Ergebnis ist bescheiden. Mit einer Verzögerung von einem Monat hat der Kongress jene Formulierungen gebilligt, welche das Beratungsgremium des Landwirtschaftsministeriums vorgeschlagen hat. Dabei dominierten die Interessen der Wall Street über die der unabhängigen Wissenschaft. Die mächtige Zucker- und Lebensmittelindustrie hat wieder gesiegt. Nicht mehr so eindeutig, aber doch.

Zucker

Soviel Zucker dürfen US-Bürger täglich mit der Nahrung zu sich nehmen.

 

 

 

 

 

Bild©Robert Schönauer

 

Erstmals wurde empfohlen, die Menge von verarbeitetem Zucker in Lebensmittel auf 10 % der täglichen Kalorienaufnahme zu begrenzen.

 

 Wer ist für die Umsetzung dieser Rechenkünste zuständig? Natürlich ganz alleine der Konsument. Er muss an Hand der Produktdeklaration berechnen, wieviel er noch von diesem und jenem Lebensmittel zu sich nehmen darf. Durchführung unmöglich. Der Zucker hat ein Suchtpotential und fördert die Esslust.  Bei 2000 Kcal. täglicher Kalorienaufnahme wären immer noch 200 Kcal aus zugesetztem Zucker erlaubt! Das ermöglicht eine Obergrenze von ca. 10 Stück Würfelzucker täglich, die der Körper verkraften soll. Nicht der Körper, nur die Zuckerindustrie kann das verkraften, denn sie macht daraus fette Profite!

Fett

Nach wie vor lautet die Vorgabe: Pflanzenöle sollen gesättigte, tierische Fette ersetzen. Maximal 10 % des täglichen Konsums sollen von gesättigten Fetten stammen (die natürlich auch in den meisten Pflanzenölen vorhanden sind). Pflanzliche Fette kommen kaum ohne chemische Verarbeitung in den Handel, die Hitzebeständigkeit ist schlecht und es mangelt an essentiellen Omega-3 Fettsäuren. Die nachweisbaren Vorzüge von gesättigtem Fett fielen unter den Tisch.

 

Foto: Pixabay

Studien, die zeigen, dass das Cholesterin in der Nahrung nur unbedeutende Auswirkungen auf das Blutcholesterin hat, wurden nicht entsprechend bewertet. Der Konflikt wurde mit diesen Sätzen umgangen:

 

„Bezüglich der Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Nahrungscholesterin  und Cholesterin im Blut ist mehr Forschung nötig. Für eine mengenmäßige Begrenzung von Nahrungscholesterin, bezogen auf die Ernährungsrichtlinien, ist eine entsprechende Evidenz nicht verfügbar.“

„More research is needed regarding the dose-response relationship between dietary cholesterol and blood cholesterol levels. Adequate evidence is not available for a quantitative limit for dietary cholesterol specific to the Dietary Guidelines.“

 

Dieser minimale Schwenk wird aber gleich wieder korrigiert, wenn es heißt:

 

„Die zentrale Empfehlung der Ernährungsleitlinien aus dem Jahre 2010, den Konsum von Nahrungsholesterin mit 300 mg pro Tag zu begrenzen, ist in der Ausgabe von 2015 nicht enthalten. Diese Änderung bedeutet aber nicht, dass Cholesterin in der Nahrung nicht mehr in Betrachtung zu ziehen wäre, wenn es um die Implementierung gesunder Ernährungsgewohnheiten geht.“

„The Key Recommendation from the 2010 Dietary Guidelines to limit consumption of dietary cholesterol to 300 mg per day is not included in the 2015 edition, but this change does not suggest that dietary cholesterol is no longer important to consider when building healthy eating patterns“.

Bezüglich Eier geben die Leitlinien das Verbot komplett auf:

Eier, reich an Cholesterin, mäßig an gesättigtem Fett, sind wieder Teil einer gesunden Ernährung und dürfen daher wieder gegessen werden.

Foto: Pixabay

Salz

Der Konsum von Salz wird von 3,4 mg auf maximal mit 2,3 mg pro Tag herabgesetzt. Für Menschen mit hohem Blutdruck sogar auf 1,4 mg. Zugegeben wird, dass die Studienlage in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Salz und Herzkreislaufkrankheiten unsicher ist:

 

„Außerdem weist moderate Evidenz * auf eine Verbindung von erhöhter Salzeinnahme und erhöhtem Risiko für Herzkreislauferkrankungen bei Erwachsenen hin. Allerdings ist diese Evidenz nicht so einheitlich wie die Evidenz zu Blutdruck, ein Ersatzindikator für kardiovaskuläres Risiko.“

 

 *moderate Evidenz bedeutet im Fachjargon “eher schlechte Beweislage“.

„In addition, moderate evidence  suggests an association between increased sodium intake and increased risk of CVD in adults. However, this evidence is not as consistent as the evidence on blood pressure, a surrogate indicator of CVD risk.“

  Foto: Pixabay

Getreideprodukte

Die Hälfte der Getreideprodukte sollen in Form von Vollkorn eingenommen werden. Diese Empfehlung kann im Alltag nicht funktionieren. Welcher Bäcker, welche Brotfabrik liefert schon echtes Vollkornbrot? Meist wird als Vollkornbrot verkauft, wenn einzelne Körner untergemischt werden. Wie

Foto: Eenfeldt

funktioniert das bei Teigwaren? Wie schmecken diese? Leider nur mit Zuckerzusatz! Der beste Rat: selber backen und malen.

Einfache und bessere Ratschläge für eine gesunde Ernährung

·         Essen Sie vorwiegend natürliche Nahrung, die möglichst wenig verarbeitet und verpackt ist und daher keine Produktdeklaration benötigt.

 

·         Halten Sie sich fern von Fertignahrung, denn dort lauern Zucker, Aromastoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel etc. (E-Nummern).

 

·         Vermeiden Sie Soft Drinks (Cola, Eistee, etc.). Der Anteil an Fruktose ist beträchtlich. Sie dürfen leider offiziell als „zuckerfrei“ beworben werden.

 

·         Reduzieren Sie Kohlenhydrate, vor allem in Form von schnell verdaulicher Stärke.

 

·         Verwendenden Sie natürliches tierisches Fett. Es gibt nichts besseres, denn  es hat sich in vielen Jahrtausenden bewährt. Pflanzenfette sind meist hoch verarbeitete moderne Industrieprodukte!

 

·         Kochen Sie nach Möglichkeit selber.

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