Schlachtfeld Zucker - Die nächste Etappe

von Robert Schönauer, 9.12..2015

 

 

Die WHO hat den Kampf mit der Zuckerindustrie aufgenommen. Vorsichtig noch, aber immerhin. Maximal 10 Prozent der täglichen Kalorien sollten aus Zucker aufgenommen werden, der den Lebensmitteln zugesetzt ist. Die WHO sagt aber auch, dass eine zusätzliche Halbierung auf 5 Prozent notwendig wäre, um Übergewicht und Karies zu bekämpfen.

zum WHO Artikel

 

Nach langen Jahren des Schweigens hat sich die Weltgesundheitsorganisation entschlossen, die tatsächliche Ursache für die Epidemie der Fettleibigkeit anzuprangern. Sie hat die Fesseln der Industrie ein wenig gelockert.

Nur reicht das schon? Gehen  die Empfehlung weit genug? Wer wird die öffentliche Meinung bestimmen?

„Das angestrebte Maximum von 5 Prozent Zucker, der in Nahrungsmitteln enthalten sein dürfe, entspricht ca. 25 Gramm oder sechs Teelöffel pro Tag. Das wäre weniger als in einer kleinen Cola-Dose (33 cl).“ Schreibt der schwedische Kostdoktor Andreas Eenfeldt.

 

Dazu ist eine wichtige Grundinformation angesagt:

Alle Kohlenhydrate (Brot, Reis, Kartoffeln, etc.) werden in Traubenzucker = Glukose zerlegt, gleich wie Haushaltszucker, der auch noch Fruktose produziert. In Wirklichkeit ist der Körper dauernd damit beschäftigt, die großen Zuckermengen aus dem Blut zu entfernen. Der in Fertignahrung zugesetzte Zucker ist nur die Spitze des Eisberges. Die Gefahren liegen unter der Oberfläche. Dem süß schmeckenden Stoff kann man aus dem Weg gehen. Kohlenhydrate, unsere Hauptnahrung, die bekanntlich nicht süß schmeckt, bildet die Basis des Zuckerbergs, den wir viele Jahre nicht spüren und dem wir kaum ausweichen können.

 

Die Gegenkampagne einer mächtigen Zuckerlobby hat bereits eingesetzt. So verbreitet die deutsche Zuckerindustrie in einer Aussendung folgende Schlagzeile:

 „Diabetes Typ-2 ist keine Folge von Zuckerkonsum“

 Infodienst Zucker 3/2015

 

Die Antwort der Ärzte der Deutschen Diabetes Gesellschaft lässt nicht auf sich warten:

„Ein dreister Versuch der Zuckerlobby, der aber jedem vernünftigen Menschen sofort auffallen muss“

so Dr. Johannes Scholl. Deutsche Diabetes Gesellschaft: Pressemitteilung, 18. November 2015

 

Es bleibt abzuwarten, ob sich die WHO mit ihren bescheidenen Zielen gegen finanzstarke Werbeagenturen durchsetzen kann.

 

Gefordert ist der Gesetzgeber. Zum Schutz der Konsumenten sollte Zucker denselben Stellenwert wie Alkohol oder Zigaretten erhalten. Das Suchtpotential ist größer als bisher eingeschätzt. Werbeverbote und Zuckersteuern sind eine notwendige Maßnahme, wie auch ein Kommentar im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL (Nr. 50/5.12.2015) unter dem Titel „Süße Schwemme“ betont.

 

Bild: https://pixabay.com/de/w%C3%BCrfelzucker-zucker-w%C3%BCrfel-s%C3%BC%C3%9F-548647/

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